Die spezielle Sicht der Dinge

Ausstellung: In einer Fotoschau zeigen blinde Fotografen ihre Werke

Dass gerade blinde Menschen in einer Welt voller Bilder leben, zeigt eine Ausstellung vor dem Audimax in der Alice-Salomon-Hochschule, die noch bis zum 29. März dort zu sehen ist. „In unserem Fotoseminar haben wir jeder blinden Fotografin zwei sehende Studenten als Assistenz zur Seite gestellt. Am Anfang wurde das Motiv besprochen, danach fotografiert und schließlich erläuterte eine der sehenden Assistenten das Foto, das auf dem Display der Digitalkamera zu sehen war“, erläutert Karsten Hein, der Seminarleiter die Vorgehensweise. „Danach wurde über das Foto und über etwaige Nachbesserungen diskutiert. Eine weitere Assistentin hielt dieses Gespräch zwischen der blinden und der sehenden Person exakt schriftlich fest.“

Der Gesamteindruck

Neben dem eigentlichen Foto entstand so eine Beschreibung aller Begleitumstände wie Gerüche, Temperatur und Geräusche zum Foto. „Mit Blinden über Bilder zu sprechen, schärft den Blick enorm“, so der Dozent. Wer sich die Ausstellung anschauen möchte, erhält beim Pförtner der Alice-Salomon Hochschule eine Mappe mit der Dokumentation zur Entstehung der Bilder, die in Blindenschrift und in normaler Schrift geschrieben ist. Fünf blinde Fotografen waren an diesem ganz speziellen Seminar beteiligt.

Meist Naturmotive

„In der Ausstellung erfahren blinde Menschen etwas über den Eindruck des Sehens – aber richtig interessant sind die Fotos mit den Dokumentationen für sehende Menschen, die die Erfahrung machen können, was Wahrnehmung in einer selbstkritischen Art bedeuten kann“, erklärt Hein, der seit vier Jahren Foto-Projekte und -Seminare mit blinden Menschen leitet. Die meisten Fotos der ausgestellten Serie haben Naturmotive. „Die Dreiergruppen wählten vornehmlich Plätze und Straßen in Berlin. Viele Fotos entstanden auch in den Gärten der Welt hier in Marzahn.“, so Hein.

Bis Monatsende

In einem Folgeprojekt ist jetzt eine Fotoserie geplant, in der die blinde Fotografin Susanne Emmermann Behinderten-Barrieren in Berlin fotografieren und mit der ausgearbeiteten Dialog-Technik dokumentieren wird. Die aktuelle Ausstellung kann wochentags in der Zeit von 7 bis 20 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Es empfiehlt sich unbedingt, die Dokumentenmappe zur Ausstellung zu nutzen, die beim Prötner in der ASH erhältlich ist. Weitere Projekte der Blindenfotografie finden sich auch auf der Projektseite „Bilder für die Blinden“ im Internet.

bildbeschreibungen.wordpress.com

Stefan Bartylla / Bild: Katrin Dinges

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