Seilbahn und Sprungturm für 20.000 Menschen

Architektur: Schinkelwettbewerb vergibt Preis für Visionen zum Klingenberg-Areal

Hier haben Berlin und Lichtenberg noch weite, unbebaute Flächen. Verlassene Gewerbebrachen am Lichtenberger Ufer der Spree zeugen davon, dass die Tage am Blockdammweg in industrieller Nutzung schon lange gezählt sind. Allein das Kraftwerk Klingenberg wird es noch zehn Jahre lang geben – danach ist endgültig Schluss mit den Schornsteinen und Fabrikhallen am Spreeufer.

Die Preisträger

Für die Zeit danach braucht es Pläne, Perspektiven und Visionen, um hier ein neues Wohnviertel entstehen zu lassen. Dazu haben jetzt Teilnehmer des 160. Schinkel-Wettbewerbs unter dem Titel „Neuland Lichtenberg“ ihre fantasievollen Entwürfe vorgestellt. Der Berliner David Hein von der TU Cottbus sowie Philipp Hoß, Julian Schäfer und Quang Huy Le von der TU München erhielten jetzt für die besten Vorschläge die beiden mit je 3.000 Euro dotierten Schinkelpreise des Jahres 2015. Neun weitere Arbeiten zeichnete die Jury mit Anerkennungs- und Sonderpreisen aus.

Der Gewinner. In den beiden prämierten Architektur-Entwürfen wurde ein Stadtteil für bis zu 20.0000 Einwohner mit ganz verschiedenen Wohnformen vorgeschlagen. Dazu gibt es eine Badeanstalt und Spiel-, Sport und Naherholungsflächen zur Spree hin. Auch die noch vorhandenen Industriebauten werden in den Entwürfen integriert und als Kultur- und Freizeiteinrichtungen genutzt. Im Mittelpunkt des Wohnkiezes mit Läden- und Gewerbeflächen bleibt auch der alte Wasserturm stehen. Auf den vorhandenen Freiflächen entstehen Parks oder Skater- und Kletterinstalltionen und in der Spree selbst soll es einen Sprungturm als Teil eines Flussbades geben. Optischer Höhepunkt der gesamten Planungen ist David Heins Vorschlag einer Seilbahn, die das „Neuland Lichtenberg“ an den S-Bahnring führen soll. Die 3,2 Kilometer lange Strecke startet an der Station Treptower Park und überquert die Spree. Endhaltepunkt soll dann der Backsteinbau des denkmalgeschützten Kraftwerks Rummelsburg sein. „Eine verkehrstechnische und leistungsfähige Anbindung, die landschaftsplanerisch sehr gut eingebunden ist“, lobte die Jury diesen Entwurfspart.

In Kästen

In Sachen Denkmalschutz setzt Heins Entwurf auf den Einsatz von Boxen, die als Arbeitsräume sowie für Kultur- und Freizeitangebote nutzbar sind und in die Baudenkmäler problemlos integriert werden können. Für diese besonders behutsame Idee im Umgang mit dem Bestand erhielt der 24-jährige Hein neben dem Schinkelpreis den vom Verband Restaurator im Handwerk e. V. gestifteten Sonderpreis in Höhe von 1.500 Euro.

Stefan Bartylla / Bild: AIV Zu Berlin/David Hein

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