In Gedenken an Familie Jacobi

Erinnerung: 25 neue Stolpersteine im Bezirk verlegt

Gunter Demnig, Erfinder der Stolperstein-Idee, Gedenksteine für die Opfer des Nazi-Terrors vor deren einstigen Wohnhäusern in den Gehweg einsetzen, hat alle Hände voll zu tun. Allein in Charlottenburg-Wilmersdorf wurden jüngst 25 neue Stolpersteine verlegt.

Aus London angereist

„Ich bin sehr glücklich, dass meine Eltern und Großeltern, die in Massengräbern verschollen sind, nun hier endlich einen Platz gefunden haben“, freut sich Harry Jacobi, geborener Heinz Hirschfeld. Er hat als einziger seiner Familien Jacobi und Hirschfeld den Holocaust überlebt. Nun ist er aus London mit seinem Sohn, seiner Tochter und seinen Enkelkindern zu dem ehemaligen Wohnhaus angereist. An sein früheres Leben im dritten Stock in der Kantstraße 29 kann sich Harry Jacobi, der im Oktober seinen 90. Geburtstag feiern wird, gut erinnern. „An den Karpfen, den meine Großmutter stets in einem Laden in der Wilmersdorfer Straße gekauft hat, und der in der Küche oft noch gezappelt hat“, rühmt er in perfektem Berliner Deutsch die Kochkünste seiner Großmutter. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, der Harry Jacobi zuvor im Rathaus kennengelernt hat, nahm an der Verlegung der Stolpersteine durch den Berliner Projekt-Erfinder Gunter Demnig höchst persönlich teil. Und hieß „drei Generationen der Familie Jacobi herzlich willkommen“. Sie alle waren an diesem Tag zugegen, als der Künstler Demnig für Otto, Clara, Harry Martin und Martha Jacobi sowie für Margarethe und Eugen Hirschberg, Jacobis Vater, die Gedenksteine setzte. Fast alle Familienmitglieder wurden nach Sobibor, Lodz und Kowno deportiert und ermordet. Nur Heinz Hirschberg überlebte den Holocaust und lebt heute unter dem Namen Harry Jacobi in London. Im Anschluss wurden acht weitere der quadratischen Messingplatten an der Kantstraße 30 und elf an der Kantstraße 149/150a verlegt.

Erinnerung wahren

Seit 1996 sind in Berlin mehr als 6.000 Stolpersteine verlegt worden. In Charlottenburg-Wilmersdorf sind 2.612 dieser Gedenksteine untergebracht. Die Stolperstein-Initiative kümmert sich um das Gedenkprojekt, das vom Bezirksamt aktiv unterstützt wird. „Die Gedenksteine lassen uns unsere früheren Nachbarn in Erinnerung behalten“, sagt Reinhard Naumann (SPD).

Michaela Bavandi

WEITERSAGEN