Jugendämter senden S.O.S.

Personalmangel: Jugendsenatorin und Bezirksstadträte schlagen Lösungen vor

Monatelange Wartezeiten auf Kitagutscheine und überlastete Sozialpädagogen: In der Berliner Kinder- und Jugendhilfe und den Jugendämtern tun sich einige Baustellen auf. Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, hat jetzt mit den Jugendstadträten ein Maßnahmenpaket erarbeitet, um die Lage zu entspannen. Wann daraus verbindliche politische Beschlüsse werden, ist allerdings offen.

Mehr Druck

Das Positionspapier unterstreicht den Handlungsdruck. Demnach stieg der Anteil der unbesetzten Stellen in den Jugendämtern zwischen 2011 und 2014 von fünf auf 7, 3 Prozent. Die Elterngeldanträge kletterten pro Vollzeitstelle von 728 auf 805. Die Zunahme wird unter anderem mit wachsenden Bevölkerungszahlen begründet. Doch nicht nur die Amtsstuben kämpfen mit steigendem Arbeitsdruck: Im Regionalen Sozialpädagogischen Dienst (RSD) liegt die Fallzahl pro Mitarbeiter weit über dem, was nicht nur Gewerkschaften empfehlen. In Marzahn-Hellersdorf beträgt sie laut Jugendstadträtin Juliane Witt (Die Linke) 80 Fälle, zum Teil sogar 107. Ähnlich ist die Lage in Neukölln, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. „Wir saufen ab“, so Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). Scheeres und ihre Ressortkollegen aus den Bezirken haben nun Forderungen vorgelegt, um Abhilfe zu schaffen. Für die Jugendämter wurde ein einheitlicher Bemessungswert von 65 Fällen pro Vollzeitäquivalent (VZÄ) vereinbart. Für RSD, Kitagutscheinstellen und Elterngeld sollen die VZÄ um bis zu rund 160 aufgestockt werden, das ist ein Plus von 4,8 Prozent. Die Kosten dafür wurden auf acht Millionen Euro geschätzt. Für Neukölln sind dabei zwischen zwölf und 13 Stellen vorgesehen. Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, wird eine bessere Begleitung von Berufseinsteigern im RSD und eine bessere Bezahlung angestrebt. Scheeres kündigte an, die Eckpunkte in die Beratungen für den Doppelhaushalt 2016/2017 einzubringen. „Das ist keine Sache von drei Jahren“, dämpfte sie Erwartungen an rasche Verbesserungen. Die für Kinder und Jugend zuständige Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), drängte darauf, aufs Tempo zu drücken, um zeitnah Erleichterungen zu erreichen. „Kinderschutz braucht Kinderschützer“, sagte sie. Unterdessen wurde bekannt, dass sich die AG Wachsende Stadt, der neben Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) vier Bezirksbürgermeister angehören, auf 300 zusätzliche Stellen für die Bezirke festgelegt haben soll. Lieckes Angaben zufolge fallen dabei für das Jugendamt Neukölln bis zu acht Vollzeitjobs ab, bei Marzahn-Hellersdorf sind es 7,4. Außerdem soll jeder Bezirk zwei zusätzliche VZÄ zur freien Verfügung erhalten.

Nils Michaelis / Bild: imago/blickwinkel

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