Eine Nixe blickt nun hinaus auf den See

Figur: Elegia heißt die Figur aus Beton, die vor Ostern am Orankesee enthüllt wurde

Halb liegt sie nun, halb hockt sie dort – die nackte, rothaarige Schönheit am Uferplatz zwischen Oranke- und zum Obersee heißt Elegia und bekam kurz vor Ostern hier den Aussichtsplatz auf dem Podest mit Blick in den sonnigen Südosten zugewiesen. Sie sonnt nun dort, wo bis zum Februar 2013 noch die Bronzeplastik „Die Liegende“ des Bildhauers Siegfried Krep seit 1982 den Park schmückte, bevor sie von dreisten Metalldieben entführt wurde. Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro und die Abgeordnete Karin Halsch (beide SPD) präsentierten gemeinsam mit rund einhundert Nachbarn am Abend des Gründonnerstages in einer feierlichen Enthüllung die neue Uferschönheit.

Eigenes Vorbild

Verträumt und völlig gelassen blickt sie nun dem Idyll mit See und den Uferwäldchen entgegen und wer genau hinschaut, wird im Gesicht der schönen Figur auch die Züge der Künstlerin wieder erkennen. Die Russin Evgenia Usimova, Studentin der Kunsthochschulen Weißensee und Absolventin der Kunstakademie in St. Petersburg leugnet nicht, dass sie in das Gesicht der Elegie auch ein Stück ihres eigenen Aussehens modelliert hat. „Das machen Künstler doch sehr oft. Warum nicht auch ich?“, räumt sie ein. Rund fünf Monate benötigte Usimova für die Gestaltung der aus Beton gegossenen Figur. Sie ist Teil einer Sage, in der es auch um den Orankesee geht. Nach dieser mystischen Geschichte soll der Name des Sees nämlich von der wunderschönen norwegischen Prinzessin Oranka herrühren. Diese liebte einen Wikinger, wurde ihm jedoch während dessen Abwesenheit untreu. Als Strafe wurde die Prinzessin verdammt, auf ewig als Wasserjungfrau zu leben. Sie bekam dafür den kleinen See in der Nähe des Dorfes Hohenschönhausen zugewiesen. Zusammen mit dort bereits lebenden Nixen bepflanzte sie den Uferstreifen mit Schilf und Strauchwerk und in Mondscheinnächten kamen die Wesen an die Oberfläche und trieben hier allerlei Spielchen mit viel Gelächter. Ein Wanderer, der dies einmal hörte, zwängte sich durch das Schilf, um die schönen Jungfrauen zu beobachten. Der Anblick verzauberte ihn so sehr, dass er den Nixen schließlich in das Wasser folgte. Die Wasserjungfrauen und den einsamen Spaziergänger hat niemand wieder zu Gesicht bekommen. Allerdings soll Prinzessin Oranke in Vollmondnächten auftauchen und ihren Zauber verbreiten. Deshalb müsse sich jeder Mann hüten, sich dem See in einer solchen Nacht zu nähern. Also aufgepasst, werte Herren: In Vollmondnächten sollte der Uferweg am Orankesee gemieden werden.

Elegia begeistert

Die Nachbarn zeigten sich zur Enthüllung begeistert von der neuen Figur am alt bekannten Ort. Der „Förderverein Obersee & Orankesee“ hatte sich an die Kunsthochschule Weissensee gewandt und Evgenia Usimovas Inspiration der mittelalterlichen Legende wurde als Vorschlag für die Neugestaltung ausgewählt. In limitierter Serie sind inzwischen 24 Elegia-Miniaturen käuflich zu erwerben. Durch deren Verkaufserlös soll die große Statue finanziert werden. Ein erster Käufer eines Miniatur-Abgusses fand sich bereits am Tag der Enthüllung. Die ersten glücklichen Besitzer sind nun Brigitte und Fred Seibold. Zum Kauf der anderen Figuren informiert auch die Website des Fördervereins.

Stefan Bartylla / Bild: Stefan Bartylla

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