Crelle-Wäldchen hat Atempause

Grün: Gericht stoppt Fäll-Aktion – Stadtrat baut trotzdem

Kurz vor Beginn der Vegetationsperiode Anfang März wollten die Fraktionen der SPD und Grünen das Fällen der rund 90 Bäume und Sträucher entlang des Wannseebahngrabens an der Crellestraße angehen. Doch der Landesverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) erwirkte bei Gericht eine einstweilige Verfügung. Das Vorhaben wurde gestoppt und ist jetzt bis Oktober – so lange dauert die Vegetationsperiode, in der in die Natur nicht eingegriffen werden darf – ausgesetzt. Das Verwaltungsgericht prüft nun, ob die zu einem Wald herangewachsene Böschung schützenswert ist. Viele Anwohner haben gegen die Fällungen gekämpft, sie wollten ihren liebevoll getauften „Crelle-Urwald“ behalten. Sogar einen Einwohnerantrag mit über 1.000 Stimmen reichten sie im Bezirksparlament ein. Dieser wurde jedoch mehrheitlich mit Stimmen der rot-grünen Zählgemeinschaft abgelehnt. Nun kann die Initiative trotzdem erst mal aufatmen. Die Bäume, die laut Bezirksamt weichen müssen, um mit den Bauarbeiten am Teilstück des Grünzugs „Schöneberger Schleife“ beginnen zu können, stehen noch heute. Baustadtrat Daniel Krüger (CDU) will die Bauarbeiten trotzdessen nicht grundsätzlich ruhen lassen.

Alternative Routen

In einer Mündlichen Anfrage wollten die Bezirksverordneten Elisabeth Wissel (Die Linke) und Jan-Ulrich Franz (Piraten) von Daniel Krüger wissen, ob die Zeit bis Oktober genutzt werde, einen „Runden Tisch“ mit den Anwohnern zu realisieren und alternative Routen zu prüfen, wie es in einem Antrag der CDU-Fraktion gefordert wurde. Krüger verneinte beides. „Der Antrag der CDU-Fraktion wurde in der letzten BVV mehrheitlich abgelehnt, sodass mir keine Arbeitsgrundlage für eine neuerliche Abwägung und Änderung der Planunterlagen vorliegt, aufgrund dessen meine Abteilung tätig werden soll.“ Eine alternative Wegeführung sei im Rahmen der Planungsphase ohnehin bereits durchgeführt worden – ohne anderes Ergebnis.

Fördergelder nutzen

Wie es nun weitergeht, wollten Wissel und Franz wissen, im Speziellen auf die Tatsache Bezug nehmend, dass bereits zur Verfügung gestellte Fördergelder sonst verfallen könnten. „Die Realisierung der Maßnahme wird weiterhin angestrebt“, antwortet Krüger klar. Hierzu würden die erforderlichen Ausschreibungen erarbeitet und die Auftragsvergabe vorbereitet. Zwar sei es aufgrund der Anhängigkeit des Verfahrens nicht möglich gewesen, die Bäume zu fallen, die bedeute jedoch nicht, dass damit ein Stillstand von vorbereitenden Bautätigkeiten verbunden sei. „Derzeit werden vom Planungsbüro Möglichkeiten zur Umsetzung von Bauarbeiten geprüft, für deren Durchführung Baumfällungen nicht notwendig sind“, so Krüger. Welche das konkret sind, werde zeitnah mitgeteilt. Dass Fördergelder verfallen, die für 2015 bereitgestellt wurden, davon geht der Stadtrat nach derzeitigem Stand nicht aus.

Sara Klinke / Bild: Crellestraße

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