Trickserei um die Grüne Mitte

Umwelt:  Eine Stellenbesetzung für die Parks Range bringt Stadträtin in Bedrängnis

Früher rollten hier Panzer und US-Soldaten übten den Häuserkampf. Auch wenn inzwischen Pferde über eine idyllische Landschaft mit seltenen Pflanzen galoppieren, liefert der ehemalige Truppenübungs-Platz „Parks Range“ immer wieder Zündstoff in der Auseinandersetzung zwischen dem Investor, der Groth-Gruppe und Aktivisten, die deren Bebauungspläne ablehnen.

Perfekt zugeschnitten

Jetzt sorgt eine Personalentscheidung der Umweltstadträtin Christa Markl-Vieto für neuen Zwist. Die Grünen-Politikerin hat für die Pflege der „Grünen Mitte“, die zwar der Groth-Gruppe gehört, aber nicht bebaut werden soll, eine Halbtagsstelle eingerichtet und mit der Tiermedizinerin Anne Loba besetzt. Diese hatte sich bereits zuvor ehrenamtlich um den Erhalt der 56 Hektar großen Fläche gekümmert, die sie mit den Pferden ihrer Reitgemeinschaft Holderhof beweidet. Dass dieses Engagement nun mit öffentlichen Mitteln bezahlt wird und die Stelle offenbar trotz gültiger Haushaltssperre und ohne Ausschreibung besetzt wurde, bringt die Stadträtin nun in Bedrängnis. Bedenken kommen zum Beispiel vom Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd. Die Aktivisten setzen sich gegen die Bebauungspläne der Groth-Gruppe ein und wurden 2012 gemeinsam mit Loba von der Naturschutz-Organisation BUND ausgezeichnet. Heute kritisiert Helmut Schmidt vom Aktionsbündnis die Verkehrung von Verantwortlichkeiten, die durch die Stellenbesetzung noch verschärft werde: „Die Kosten für den Erhalt der Weidelandschaft werden mit etwa 200.000 Euro jährlich beziffert und müssten eigentlich von der Groth-Gruppe getragen werden. Stattdessen wird Frau Loba jetzt vom Steuerzahler finanziert.“ Während sich Schmidt und seine Mitstreiter wünschen, dass Stadträtin Markl-Vieto die Groth-Gruppe an ihre Pflichten als Eigentümerin erinnere, sieht die SPD-Fraktion im Bezirksparlament die Sache grundsätzlicher. „Man muss sich die Frage stellen, ob Frau Markl-Vieto noch in der Position als Stadträtin tragbar ist“, sagt Fraktionsvorsitzender Norbert Buchta. Die Besetzung hält er für rechtswidrig. „Die Akten besagen, dass hier von Beginn an getrickst wurde, um speziell eine Stelle zu schaffen, die auf Anne Loba zugeschnitten ist. Das wäre so, als wenn mich das Bezirksamt dafür bezahlt, dass ich meinen eigenen Rasen im Garten mähe und die Rosen beschneide.“

Kein Interessenkonflikt

Christa Markl-Vieto weist sämtliche Vorwürfe zurück. Weder sei die Stellenbesetzung rechtswidrig, noch gebe es eine gesetzliche Verpflichtung für den Eigentümer, bestimmte Biotope zu erhalten. Dies sei vielmehr auch auf privaten Flächen Aufgabe des Bezirks. Dieser habe die Arbeit Anne Lobas schon früh unterstützt und dafür gesorgt, dass die „Grüne Mitte“ auch nach dem Kauf durch die Groth-Gruppe so gepflegt werden konnte. Das Unternehmen habe die Beweidung unter Vermittlung des Bezirksamts 2013 vertraglich gestattet. „Die Verträge sichern also die Fortführung der Beweidung. Dafür sind sie vorgesehen, aufeinander abgestimmt und bilden deshalb keinen Interessenkonflikt“, so Markl-Vieto.

Philip Aubreville / Bild: Archiv/Anne Loba

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen