„Selbsthilfe kann nur eine Säule sein“

Soziales: Neue Ansprechpartnerinnen in der Kontaktstelle des Bezirks

„In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es mehr als 180 Selbsthilfegruppen, Initiativen und Vereine“, sagt Ricarda Raabe. Die diplomierte Sozialpädagogin leitet gemeinsam mit ihrer Kollegin Maren Westphal die regionale Selbsthilfekontaktstelle in der Bismarckstraße 101. Ein Projekt, das bei SEKIS, der überregionalen Selbsthilfekontakt- und Informationsstelle für Berlin, eingebettet ist.

Stark überaltert

Diese Gruppen werden in einer Referenzdatenbank erfasst. „Und unser Ziel ist, Betroffene über die bestehenden Gruppenangebote zu informieren und einen Platz in einer passenden Gruppe zu finden“, so die Kontaktstellenleiterin, die mit Nachbarschaftszentren, der Kontaktstelle PflegeEngagement, Krankenhäusern und dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf kooperiert. Ricarda Raabe und Maren Westphal ermutigen zu Eigeninitiative. Sie unterstützen sowohl bei der Vermittlung als auch beim Aufbau von Selbsthilfegruppen oder Initiativen. „Es ist bereichernd zu sehen, wie stark eine von Betroffenen selbst initiierte Gruppe aus sich heraus wächst“, beobachtet Raabe. „Junge Parkys“ beispielsweise befinde sich gerade in Gründung. Eine Interessengemeinschaft für junge Parkinson-Erkrankte, die gemeinsame Aktivitäten plant und einfach „Spaß am Leben“ haben möchte. Parallel dazu werden in Arbeitskreisen der Kontaktstelle bestimmte Themen erarbeitet. „In der Selbsthilfe ist eine starke Überalterung festzustellen. Daher beschäftigen wir uns beispielsweise im Arbeitskreis ,Junge Selbsthilfe‘ mit den Problemen von Menschen bis zu 35 Jahren“, erzählt Patricia Raabe. Denn junge Parkinson-Erkrankte, die noch mitten im Berufsleben stehen und aktiv sein wollen, hätten andere Bedürfnisse als Menschen im dritten Lebensabschnitt.

Mehr Ängste

„Da der Austausch in der Selbsthilfe über die Sprache läuft“, so Raabe, wurde auch ein Arbeitskreis zu „Migration“ ins Leben gerufen. Und wie man eine Gruppe leitet oder gründet, Mitglieder integriert und vor allem den Humor nicht verliert, damit setzt sich die Arbeitsgruppe „Fortbildung“ auseinander. Auffällig sei die Zunahme an psychosozialen Themen wie Ängste, Depressionen und Burn-out, stellt Raabe fest. Als sie mit ihrer Arbeit in der Selbsthilfe vor rund 20 Jahren begonnen hatte, seien es Krankheiten wie Krebs oder Rheuma gewesen, die den Menschen zu schaffen machten. „Wichtig ist, dass Betroffene sich austauschen und nach vorne blicken“, sagt sie und meint weiter: „Es ist immer schön, Resultate zu sehen. Aber Selbsthilfe kann nur eine Säule im Genesungsprozess darstellen“, weiß sie. Daher sei die Kooperation mit Krankenhäusern und Therapeuten unerlässlich. Auf der Homepage der Berliner Selbsthilfe- und Informationsstelle sind alle Gruppen über das jeweilige Bezirksregister in der Referenzdatenbank in verschiedenen Sprachen zu finden.

Weitere Informationen
Selbsthilfekontaktstelle
Charlottenburg-Wilmersdorf
Bismarckstraße 101
10625 Berlin
(030) 89 02 85 38
raabe@sekis-berlin.de

Michaela Bavandi / Bild: Michaela Bavandi

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