Neue Kinos braucht der Kiez

Kultur: Im Norden des Bezirks wird Filmegucken zum großen Erlebnis in kleinen Räumen

In Nord-Neukölln sind zwei neue Kinos mit ganz unterschiedlicher Vergangenheit entstanden. Das eine war einmal eine Backstube, das andere ein Bordell. So eine verrückte Idee funktioniert nur dort. Mit „Il Kino“ und „Wolf Gang“ zeigt der Kiez wieder einmal seine Wandelbarkeit und sein feines Gespür für Neues.

Mut zum Film

Von bösen Statistiken und sinkenden Besucherzahlen ließen sich drei junge Kinofreunde nicht abschrecken. Seit November gehören Schweiß, Tränen und Crowdfunding zum „Il Kino“-Rezept. „Gut, dass wir anfangs noch nicht wussten, wie viel Kraft uns das kosten würde“, sagt Daniel Wuschansky, Drehbuchautor und Mitbegründer. Obwohl seine Kollegin Carla Molino dasselbe Kleinkinoprojekt vor vier Jahren in Rom umsetzte, war es eine Herausforderung. Auch für den dritten im Bunde, Kristian Palshaugen, ist das Kino wie ein Baby: viel Liebe, viel Stress und lange Nächte. Die drei teilen sich die Schichten, arbeiten nebenbei in ihren alten Jobs. Der Fleiß wird gewürdigt. „Weil wir selbst die Erfahrung machten, dass nach dem Film die Möglichkeit fehlt, sich mit den anderen Kinobesuchern auszutauschen und man sich notgedrungen auf dem Parkplatz vor dem Kino trifft, wollten wir das volle Paket bieten“, so Wuschansky. Für Gesprächsstoff sorgen unbekannte, neue und alte Programmfilme. Artgerecht mit Untertiteln. Der Originalton lockt dann auch italienische, englische oder französische Landsleute an. „Wir sind überzeugt, dass die Kinokultur nicht aussterben wird. Vielleicht als Massenphänomen in den Multiplexen. Aber Kunstfilme brauchen Zeit, Raum und vielleicht auch ein Glas Wein, um ihre volle Wirkung zu entfalten“, so Wuschansky. 52 Plätze gibt es im „Il Kino“, der Eintritt ist günstiger als bei den Kino-Riesen.

„Wolf Gang“ ist ein anderes Neuköllner Wunderwerk: Im ehemaligen Bordell in der Weserstraße sind jetzt Kino, Workshops, Ausstellungen zu Hause. „Mein Traum ist, dass sich hier Arthouse-Fans mit normalen Kinofreunden mischen. Dafür ist Nord-Neukölln gerade richtig“, sagt Verena von Stackelberg. Sie selbst ist Medien- und Filmprofi, hat viel gesehen und wollte endlich ein Kino nach Maß. Auch sie wird unterstützt durch das Crowdfunding, je mehr Leute sich beteiligen, desto mehr Ideen werden Wirklichkeit. Bei „Rudeltreffen“ wird über das Kino-Programm diskutiert. „Der Zusammenhalt ist sehr wichtig und der Austausch mit Filmemachern und Gästen ist immer produktiv“, so die Rudelführerin.

Ganzheitliches Erlebnis

Partizipation scheint auch bei den Kinogründern ein Schlagwort zu sein. Bei „Wolf Gang“ ist der Name selbsterklärend: Filmfans, Regisseure und Autoren sind Rudel und Clique. „Il Kino“ will nachziehen. „Nach jedem Film bekommen wir sowieso Besucher-Feedback an der Bar“, sagt Daniel Wuschansky. Tipps werden gerne angenommen. Bald sollen hier Kindergruppen und Schulklassen Themenfilme sehen und mit Filmemachern sprechen. Das Kino als ganzheitliches Erlebnis, als Kunst, als Inspiration.

Viktoria Graf / Bild:Il Kino/ Malene Korsgaard Lauritsen

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