Deserteur gedacht

Geschichte: Vierte Tafel in Wilmersdorf enthüllt

Auf der Mittelinsel vor der Uhlandstraße 103 wurde jüngst die Gedenktafel für einen Ende April 1945 ermordeten 17-jährigen Deserteur enthüllt. Viel weiß man nicht über den zu Kriegsende getöteten Jugendlichen: Als die „Schlacht um Berlin“ am 16. April begonnen hatte, Berlin als die „deutsche Reichshauptstadt“ von der nationalsozialistischen Regierung zur Festung erklärt wurde und dazu alle verfügbaren Kräfte von dem NS-Terror-Regime zum Kriegseinsatz gegen die Rote Armee herangezogen oder gezwungen worden waren, da versteckte sich der 17-Jährige in einem Keller in der Berliner Straße zwischen der Uhland- und Fechnerstraße.

Grausame Tat

Dort wurde er von der Schutzstaffel (SS) der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) entdeckt und mit einer Wäscheleine an der Laterne vor der Uhlandstraße 103 erhängt. Ein Schild mit der Aufschrift „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen“ war ihm um den Hals gehängt worden. Zur Abschreckung ließ man den Jugendlichen mehrere Tage dort hängen. Bis in die 50er Jahre legten Anwohner der Uhlandstraße 103 rund um den Todestag Blumen an der Laterne nieder, um an diese grausame Tat zu erinnern. „Nach dem Krieg gab es in den Straßen von Berlin eine Vielzahl von Tafeln, die an den Mord von Deserteuren erinnerten. Sie sind im Laufe der 50er und 60er Jahre allesamt verschwunden. Bis auf drei“, sagt Dr. Michael Roeder von der Initiative für das Gedenken um den ermordeten Deserteur.

Friedensinitiative

Der Historiker hat sich in den vergangenen Jahren für die Gedenktafel eingesetzt, die Friedensinitiative Wilmersdorf habe sich bereits 1995 dafür stark gemacht. Im November des Vorjahres hat sich die Gedenktafelkommission Charlottenburg-Wilmersdorf nun für die Errichtung dieser Tafel entschlossen. Das Erinnerungsstück soll sowohl an den namentlich unbekannten Jugendlichen als auch an alle anderen zu Tode gekommenen Deserteure erinnern. An all jene, die sich dem Krieg widersetzten, aber dafür ihr Leben lassen mussten.

Anwohner informiert

Es ist die vierte Tafel in Wilmersdorf, die nun an der Kreuzung Uhlandstraße und Berliner Straße angebracht und in der vergangenen Woche feierlich enthüllt worden ist. Die Anwohner wurden mittels Flugblatt über die Enthüllung informiert. Mehr als 200 Menschen, und Vereine wie die Friedensinitiative Wilmersdorf, die Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz und die Arbeitsgruppe Frieden in der GEW Berlin waren vertreten und nahmen an dem Festakt teil. Musik gab es von Elia Cohen-Weissert.

Michaela Bavandi / Bild: Michaela Bavandi

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