Sandweg lässt die Puppen tanzen

Kultur: Führungswechsel an der Schaubude in Prenzlauer Berg

Puppentheater erzählt Geschichten anders, sagt Tim Sandweg. Gerade die Mischung verschiedener Darstellungsformen habe ihn schon immer fasziniert. Nun lässt er die Puppen, Figuren und Objekte an der Greifswalder Straße tanzen. Sandweg übernimmt im Sommer die künstlerische Leitung der Schaubude Berlin. Er folgt Silvia Brendenal nach, die das Haus seit 1997 als künstlerische Leiterin führt und zu einer der besten Adressen für nationales und internationales Puppen-, Figuren- und Objekttheater im deutschsprachigen Raum entwickelt hat. Brendenal verabschiedet sich am 26. Juni mit der Vorstellung „Cendres“ am letzten Tag des Festivals „Versuchung“ in den Ruhestand.

Sprungbrett Magdeburg

Tim Sandweg, Jahrgang 1987, studierte Theaterwissenschaft und Deutsche Philologie an der Freien Universität Berlin, bevor er 2009 als Dramaturg ans Puppentheater der Stadt Magdeburg ging. Dort war er in verschiedenen Inszenierungen und Projekten involviert, zuletzt als Co-Künstlerischer Leiter des 10. Internationalen Figurentheaterfestivals „blickwechsel“. Seit 2009 gehört Tim Sandweg der Redaktion des Magazins für Puppen-, Figuren- und Objekttheater „double“ an und ist seit 2012 Lehrbeauftragter für Dramaturgie und Theorie am Studiengang Figurentheater der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Tim Sandweg war bis zu seiner Berufung als künstlerischer Leiter Mitglied der Jury des Berliner Senats für Freie Gruppen. Die Schaubude Berlin, 1993 gegründet und vom Berliner Senat jährlich mit 417.600 Euro gefördert, ist einziger Veranstalter von nationalen und internationalen Gastspielen des Puppen-, Figuren- und Objekttheaters in Berlin mit eigener Spielstätte und kontinuierlichem Kinder- und Abendspielplan. Sie ist Veranstalter von Festivals wie dem Internationalen Festival des jungen Puppen-, Figuren- und Objekttheaters „Versuchung“ und von Koproduktionen, thematischen Projekten, Sondergastspielen, Symposien.

Neuer Blickwinkel

Das Haus ist Spielstätte für die Berliner freien Gruppen sowie nationale und internationale Ensembles des Genres. Forum künstlerischer Auseinandersetzung sind auch die jährlich stattfindenden „Tage der Hochschule der Abteilung Puppenspielkunst“ der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Sandwegs erfolgreiche Vorgängerin scheidet nicht ohne öffentliche Kritik: „Denn keineswegs ist Mangel die Quelle schöpferischer Produktivität – Puppentheater braucht zum Gedeihen, wie jede Kunst, Respekt und ausreichende finanzielle Förderung“, schreibt Silvia Brendenal im jüngsten Spielplanheft. Ab Juli sind das Tim Sandwegs Probleme. Angehen will er diese zum Beispiel, indem er versucht – aus dem Blickwinkel einer jüngeren Generation – neue Besucherschichten zu gewinnen und offen zu sein für Entwicklungen der digitalen Welt. Während die Kindervorstellungen mit rund 90 Prozent schon gut ausgelastet sind, ist bei den Abendvorstellungen für Erwachsene nämlich noch Luft nach oben.

Weitere Informationen
SCHAUBUDE BERLIN
Theater. PuppenFigurenObjekte
Greifswalder Straße 81–84 I 10405 Berlin

Michael Hielscher / Bild: Michael Hielscher

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