Mini-Projekte auf Augenhöhe

Freizeit: Junge Migranten bieten seit zehn Jahren Kurse für Gleichaltrige an

Backen, Nachhilfe, Englisch lernen – das Projekt „WIB-Jugend verein(t)“ hat für Kinder und Jugendliche aus dem Brunnenviertel viele verschiedene Kurse im Angebot. Das Interessante daran ist, dass die Kurse nicht von Erwachsenen, sondern von Jugendlichen durchgeführt werden. Seit 2006 gibt es das erfolgreiche Projekt.

Am Montag lädt Hatice zu ihrem Kurs „Hausaufgaben, Nachhilfe und Spielen und Kochen“ ein. Am Mittwoch steht „Fantasie und Backen“ mit Melisa auf dem Plan. „Learning English 4 Life“ ist Fatos’ Angebot am Freitag. Viele weitere Kurse fügen sich zu einem Plan für die ganze Woche. An jedem Tag wird gemeinsam gekocht, Sport gemacht oder auf andere Weise die Freizeit sinnvoll gestaltet. „Im Moment sind zehn Jugendliche als Kursleiter dabei“, sagt Projektkoordinatorin Ilka Gindler. Die meisten Kurse finden derzeit im „TimeOut“ in der Putbusser Straße 28 statt. Im Jugendklub in der Badstraße bietet die WIB-Jugend zusätzlich Sport an.

„Die Jugendlichen spiegeln den Kiez wider“, sagt Ilka Gindler. Sowohl die jungen Kursleiter als auch die Teilnehmer haben einen Migrationshintergrund, ihre Familien haben Wurzeln in der Türkei, der Ukraine, dem Libanon oder in Syrien. Das Interesse an den Kursen auf Augenhöhe ist groß. „Ich bin immer wieder überrascht und erfreut, wie viele Jugendliche es gibt, die sich engagieren wollen“, sagt Ilka Gindler, die den Jugendlichen seit 2008 hilft, sich selbst zu organisieren. Jeder, der zwischen 16 und 26 Jahre alt ist, kann Kursleiter werden. „Wer eine Idee hat, kann zu uns kommen.
Mini-Projekte auf Augenhöhe
Ob die Idee umgesetzt wird, entscheidet die Jugendjury“, erklärt die Koordinatorin. Jugendjury, das sind alle aktuellen Kursleiter zusammen. Wer die Jury überzeugt, hat drei Monate Zeit, den Kurs zu organisieren. Das bedeutet, dass ein Raum zu suchen ist und Teilnehmer gefunden werden müssen. Für die Durchführung ihres Angebots bekommen die Jugendlichen maximal 100 Euro im Monat, wobei sie höchstens 20 Stunden im Projekt aktiv sein dürfen. „Für einige ist die Aufwandsentschädigung eine Motivation zum Mitmachen. Bei vielen steht jedoch der Wunsch, sich auszuprobieren im Vordergrund“, sagt Ilka Gindler. Im Rahmen des Projektes „WIB-Jugend verein(t)“ gibt es für alle Beteiligten viel zu lernen. Sei es bei den Weiterbildungen für die jungen Kursleiter oder bei der Organisation und Durchführung der Miniprojekte. Selbstorganisation steht dabei ganz oben auf der Liste der zu erlernenden Fähigkeiten.

Neue Ideen

Vor zwei Jahren haben die Jugendlichen einen großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit getan: Sie haben einen eigenen Verein gegründet. Seitdem ist „Wir im Brunnenviertel (WIB) – Förderung und Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und ihren Familien e. V.“ auch Träger des Projektes, das mit Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“ noch bis Ende 2016 gefördert wird. Ilka Gindler ist seitdem Unterstützerin für die Kursleiter, die jugendlichen Vereinsmitglieder sind jetzt ihre Vorgesetzten. Die Projektkoordinatorin hat damit kein Problem: „Es macht viel Spaß. Es kommen immer neue Leute, neue Ideen.“

Kontakt zu Projektkoordinatorin Ilka Gindler per Telefon: (030) 95 99 42 97.

Andrea Walde (Text und Bilder)

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