Kreativität sprengt Barrieren

Kunstpreis: Neuköllnerin auf erstem Platz im bundesweiten Wettbewerb

Der erste Platz beim Bundeskunstpreis für Menschen mit Behinderung geht in diesem Jahr nach Neukölln: Mit ihrem Gemälde „Absturz 2“ setzte sich die Künstlerin Rita Borchert gegen die Konkurrenz durch.

Gegenwart eingefangen

Die Jury bewertete alle 258 eingereichten Werke mithilfe eines Punktesystems. Borchert, die ihre Bilder mit „RIBO“ signiert, hatte in den Augen der Jury dieses Jahr die Nase vorn. Die Radolfzeller Galeristin und Kunstmäzenin Renate Endres fühlte sich sofort an den Germanwings-Absturz in Frankreich erinnert. „Was an diesem Werk am meisten ins Auge sticht, ist die unwirkliche Szenerie“, sagte sie in ihrer Laudatio. „Das Ambiente wirkt alles andere als idyllisch, vielmehr kreuzen sich kontroverse Stimmungslagen, was dem Ganzen einen aufgewühlten und zerrissenen Charakter verleiht.“ Der Gewinnerin gelinge es, mit ihrem Werk zu verstören, ein ungemütliches Gefühl zu erzeugen. „Hier darf ein Blumenbeet seinen Charme entfalten, dagegen beschreiben mächtige Baumwurzeln die beeindruckende Wucht der Natur. Leitern, Stufen, eine dunkle Gestalt am Bildrand markieren die Bedeutung der Gegenstände.“ Das Ganze werde durch expressive Linien aktiviert. „Zusammen bilden Linien und frei fließenden Formen eine dramatisch aufgewühlte Bildsprache, die den Antagonismus von Materie und Geist, eigentlich die gesamte Stimmung unserer Zeit in eine unmittelbar anschauliche Ikonologie umsetzt.“

Die 1958 geborene Borchert nimmt seit 2007 regelmäßig am Wettbewerb teil und wurde zweimal mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Sie arbeitet in der Mosaik-Werkstatt in Kreuzberg und war an verschiedenen Ausstellungen in Berlin beteiligt. Unter anderem zeigte sie ihre Werke im vergangenen Jahr bei der 3. Kunstmeile Weitlingkiez. Seit dem Jahr 2004 mischt sie in der Malergruppe im Awo Falk-Club (ehemals Awo-Treffpunkt Thomasstraße) mit.

Herausforderungen wagen

„Wir müssen es nur tun, uns trauen, die Herausforderung anzunehmen“, sagte die Schirmherrin und Paralympics-Athletin Anna-Lena Forster. „Denn nur dann kann die Akzeptanz und Anerkennung folgen. Wenn die Gesellschaft merkt, dass die Einschränkungen nichts mit der Persönlichkeit eines Menschen zu tun haben, kann sie lernen, mit uns ‚normal‘ umzugehen.“ Der Bundeskunstpreis für Menschen mit Behinderung wird nach Angaben der Initiatoren in eine neue Runde gehen. Die nächste Ausschreibung ist für 2017 geplant. Den Preis gibt es seit 1978.

Weitere Informationen
Kulturbüro Radolfzell
(07732) 813 74

(NM/RED) / Bild: Katja Angermeier

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