Hertha BSC kündigt dem Frauenfußball

Sport: Kooperation mit dem Zweitligisten 1 FC Lübars zum Juni 2016 beendet

Mit einem 3:1 gegen die Frauen des FFV Leipzig konnten sich die Fußballerinnen des 1. FC Lübars den Meistertitel in der 2. Bundesliga Nord im letzten Saisonspiel sichern. „Somit gehören wir zu den zwölf besten ,Mannschaften‘ Deutschlands“, sagt Andre Eggert, Abteilungsleiter des 1. FC Lübars. Dennoch sei der Aufstieg in die 1. Bundesliga „aus finanziellen und strukturellen Dingen derzeit nicht stemmbar“, erklärt er die
Entscheidung gegen den Aufstieg.

Ein Wagnis eingehen? Um das zu ändern, überlegt die Lübars-Frauenabteilung, ab der Saison 2016/17 das Wagnis eines eigenständigen Hauptstadt-Verein für Frauenfußball einzugehen. „Dies ist mit einem Standortwechsel verbunden, um kompakte Trainings- und Wettkampfbedingungen zu gewährleisten, die es so in Reinickendorf für unsere Ziele nicht gibt“, sagt Eggert. Seit 2009 besteht eine Kooperation mit Hertha BSC. Der Verein unterstützt den 1. FC Lübars mit Know-how, in der Trikot-Ausstattung sowie im physiotherapeutischen und medizinischen Bereich. „Vor einem Jahr hat Hertha BSC beschlossen, diese Kooperation nach dem 30. Juni 2016 nicht mehr aufrecht zu erhalten. Gründe hierfür sind uns bis heute nicht bekannt“, so Eggert, dessen Abteilung im Herbst die Gespräche mit Hertha über eine weitere Zusammenarbeit aufnehmen will. „In den nächsten zwölf Monaten kann noch viel passieren. Die Türe ist noch nicht ganz zu“, erklärt Hertha BSC-Präsidiumsmitglied Renate Dömer Gesprächsbereitschaft: „Wenn sie Hilfe brauchen, werden wir sie nicht im Regen stehen lassen“. Für Hertha klinge die Idee, einen Berliner Frauen-Fußballverein zu etablieren, gut. „Denn bis jetzt hat Frauenfußball noch keinen richtigen Stellenwert“, sagt Dömer.

Leichteres Spiel

Für eine zukunftsfähige Frauenfußballmannschaft in der 1. Bundesliga reichen laut Eggert die derzeitigen Rahmenbedingungen nicht aus. „Ziel der Hauptstadt sollte sein, einen Frauenfußballverein als Vertreter der Stadt anzubieten, den die Berliner in ihr Herz schließen“, so Eggert. Dann wäre es auch ein leichteres Spiel, die nötige Wirtschaftskraft zu generieren.

Michaela Bavandi / Bild: imago/cp24

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