Über diese Brücke müssen wir gehen

Ausstellung: „Bridge the Gap“ verbindet junge Flüchtlinge und Deutsche durch Foto-Kunst

Sie errichten Brücken zwischen Berlin und ihren Heimatstädten. Zwischen Deutschland und Afghanistan, Syrien, Tschetschenien und der Türkei. 14 Flüchtlingskinder haben, begleitet von Profis und reichlich Kameratechnik, ihr Kreuzberg erkundet. Sie hielten alles fest: Straßen, Menschen, Denkmäler. Dabei haben sie sprechende Bilder geschaffen. Bilder, die Geschichten erzählen. Die Vielfalt von Eindrücken sind nun in einer bewegenden Ausstellung im Willy-Brandt-Haus zu bewundern.

Besondere Perspektiven

Viele von ihnen wohnen noch im Aufnahmelager in Marienfelde. Auch da ganz besondere Perspektiven. Bunte Regenschirme zwischen den grauen Gebäuden. Es sind oft die Kleinigkeiten, die Ur-Berlinern nicht mehr auffallen. Die neu-städtischen Kinder zeigen „ihr“ Berlin. „Wir waren an vielen prominenten Orten. Die Kinder fanden zu allen einen eigenen Zugang, ließen uns teilhaben an ihren Gedankenwelten“, sagt Katharina Mouratidi, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Humanistische Fotografie (GfHF) und Leiterin des Projektes. Für sie, als erfahrene Fotografin war dieses „Flüchtlingsprojekt“ eine Premiere. Man habe viel gelernt und vor allem viel Unterstützung erfahren. Vom Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V., vom Internationalen Bund Berlin-Brandenburg und nicht zuletzt vom Programm des Bildungsministeriums „Kultur macht stark“.

Gisela Kayser, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Willy-Brandt-Haus-Freundeskreises ist stolz: „Trotz der schwierigen Themen, wie Vertreibung und Flucht, schaffte es ‚Bridge the Gap‘ die Teilnehmer zu verbinden und machte sie zu kleinen Künstlern. Wir können sagen, die Kinder sind angekommen, sie haben sich die Stadt angeeignet.“ Professionelle Hilfe gab es von der renommierten Journalistin Lela Ahmadzai, der Sozialpädagogin Murwarid Basir und von der freischaffenden Künstlerin Anke Göhring. Sie teilten ihr Know-how, wurden zu Freundinnen und hatten immer einen Rat parat. Freundschaftsbande wurden auch unter Altersgenossen geknüpft, mit Schülern der Evangelischen Schule. „Es hat uns großen Spaß gemacht und Verständigungsprobleme gab es nicht“, sagt die 13-jährige Frida. Besonders beeindruckt haben sie die Sprachkenntnisse der Flüchtlingskinder. Während sie nur mit Schulkenntnissen in Deutsch und Französisch glänzen kann, sprechen sie oft fünf oder sechs Sprachen und Dialekte. Projektende heißt nicht Kontaktabbruch. „Wir werden uns auch weiterhin sehen“, so Frida.

Um nicht zu viel zu verraten und die Neugier zu beflügeln, gibt es an dieser Stelle folgende Ausstellungs-Info: Ein Kind, vier Fotos. Jedes Quartett ein Fragment und gleichzeitig die volle Ganzheit. Experimentell, jung, augenöffnend. „Bridge the Gap“ steht für Besucher den ganzen Sommer lang offen. Für alle, die mehr sehen wollen, als Mainstream-Flüchtlingsgeschichten, politische Debatten und ungelöste Unterkunfts-Probleme. „Bridge the Gap“ schlägt eine Brücke zum produktiven Miteinander.

Viktoria Graf

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