Der Sound der Hauptstadt

Kultur: Fahrradtour zu den Kultstätten der Berliner-Technoszene.

Als die Mauer fiel, wurde in Berlin der Techno geboren. So zumindest will es der Mythos. Wie eng und auf welche einzigartige Weise in der Hauptstadt Geschichte, Stadtentwicklung und Musikkultur miteinander verknüpft sind, das macht aktuell eine dreistündige Fahrradtour deutlich. Die „Clubkultour-Berlin“ führt die Teilnehmer zu legendären Orten des Berliner Nachtlebens. Angefangen bei der „Wiege des Technos“, dem Potsdamer Platz, über markante Orte, wie der Bar 25, immer entlang des einstigen Grenzverlaufes bis nach Kreuzberg und Treptow. Die Tour ist gespickt mit spannenden Geschichten zu den einzelnen Clubs. Zum Beispiel der abenteuerliche Weg in den illegalen „WMF-Club“ am Leipziger Platz. Hier gelangte das Partyvolk in den frühen 1990er Jahren durch den Boden eines aufgeschnittenen Containers in die Unterwelt des Techno. Und während unter der Württembergischen Metallfabrik zu den wummernden Beats die Nächte durchgetanzt wurden, blieb der Club von der Polizei unentdeckt. Der berühmte Club Tresor nahm nach seinem Umzug ins Heizkraftwerk Mitte seine alte Tür einfach mit und baute sie am neuen Standort wieder ein.

Ideologien wegtanzen

Veranstalter der Tour ist die Clubcomission Berlin, ein Verein der sich für die Belange der Berliner Clubszene in Politik und Wirtschaft einsetzt. „Ich wollte diese Musikkultur im Gesamtkonzept mit der politischen Entwicklung und der Veränderung der Stadt aufzeigen“, sagt Eberhard Elfert von der Clubcomission. Dieser Ansatz habe in Berlin im Zuammenhang mit Techno bisher gefehlt. Nach der Wende standen in Berlin plötzlich überall freie Flächen und Gebäude zur Verfügung, die schnell von der Clubszene erobert wurden. „Einfach an einen Ort zu gehen und zu feiern, das bedeutete damals einen Zustand großer Freiheit“, erklärt Elfert. Denn der Fall der Mauer bedeutete gleichzeitig den Zusammenbruch eines politischen Systems und damit verbundenen Ideologien. Und genau dieser Wegbruch der Ideologien wurde von den Techno-Anhängern gelebt. Die Unterschiede zwischen Ost und West wurden von der Jugend einfach weggetanzt. „Dass der Techno unpolitisch war, hat ihn politisch gemacht“, so Elfert. Anfang der 2000er erlebte die Techno-Szene einen neuen Aufschwung. Viele Touristen kamen hinzu und vor allem setzte sich die Tradition der Open-Air Veranstaltungen durch.

Bedeutung zeigen

Die erste „Clubkultour-Berlin“ startet am 5. September, dann findet sie alle zwei Wochen statt. Letzter Termin ist vorerst der 17. Oktober. Start ist jeweils um 14 Uhr in der Wilhelm-, Ecke Leipziger Straße. Teilnehmer müssen ihre Fahrräder selbst mitbringen. Die Kosten betragen 13 Euro, ermäßigt elf Euro. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Die Clubcomission will mit der Tour nicht nur Partyfans ansprechen, sondern viel mehr deutlich machen, welch großen kulturellen Wert die Club- und Musikszene für Berlin bis heute hat. Eberhard Elfert: „Die Rundfahrten sollen ein erster Schritt sein, um die elektronisch produzierte Musik im kulturellen Gedächtnis der Stadt zu verankern.“

www.clubkultour.de

Nabila Lalee / Bild: Eberhard Elfert

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