Sanierungskrach vor bunten Häusern

Architektur: Die Arbeiten in der Onkel-Tom-Siedlung wirbeln nach wie vor viel Staub auf.

Der Streit um die Sanierungsarbeiten in der Zehlendorfer Onkel-Tom-Siedlung nimmt kein Ende. Seit Längerem führt der Eigentümer, die Deutsche Wohnen AG, Maßnahmen zum denkmalgerechten Erhalt der in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erbauten Großsiedlung an der Argentinischen Allee durch. Doch manche Anwohner sind mit der Umsetzung mehr als unzufrieden. Bereits im Frühjahr hatte etwa die Sprecherin der Mieterinitiative Onkel-Tom-Siedlung, Barbara von Boroviczény, angesichts der Rodung mehrerer Schwarzkiefern von einem „Kettensägenmassaker“ gesprochen.

Empörung ist groß

Jetzt legt von Boroviczény nach: „Das Ergebnis der Arbeiten hat leider unsere Befürchtungen noch übertroffen!“ Zwar sei der bunte Anstrich in der Originalfarbgebung, die dem vom Architekten Bruno Taut entworfenen Kiez einst den Namen „Papageiensiedlung“ einbrachte, gut angekommen. „Über das, was man den Bewohnern jetzt als denkmalgerechte Außenanlagen präsentiert, ist die Empörung jedoch groß. Die Bewohner der anderen Straßenseite, die noch nicht fertig ist, befürchten das Schlimmste“, meint von Boroviczény. Ihre Initiative beklagt eine erhöhte Lärm- und Feinstaubbelastung durch die Fällungen der Schwarzkiefern. Eine Zumutung sei auch der Anblick der Außenanlagen: Viele der ersatzweise gepflanzten Bäumchen sind abgestorben, die Heckenanpflanzungen verdorrt. Und ein überdimensionierter Rasenmäher wirbelte mit Höllenlärm Staublawinen auf den ausgetrockneten Böden auf. Tatsächlich ist das Sanierungsprojekt der Deutsche Wohnen AG noch nicht abgeschlossen. „In diesem Herbst werden wir alle eingegangenen Bäume und Sträucher ersetzen. Ebenso werden wir am sogenannten Peitschenknall in der Argentinischen Allee 159–219 Hecken, Rasenflächen, Bäume und Sträucher neu pflanzen“, erklärt Pressesprecher Marko Rosteck. Die Deutsche Wohnen orientiere sich dabei an den Original-Plänen Bruno Tauts und erhalte viel Zuspruch. „Aber natürlich gibt es ebenso Kritik. Schließlich entscheidet das subjektive Empfinden mit darüber, ob eine Grünanlage als gelungen oder nicht gelungen empfunden wird“, meint Rosteck. Objektive Daten, die eine erhöhte Feinstaub- oder Lärmbelastung belegen würden, lägen nicht vor. Kritische Stimmen wolle die Deutsche Wohnen jedoch weiterhin „ernsthaft prüfen und im Rahmen der Möglichkeiten in die Planungen integrieren“, sagt Rosteck.

Nicht umgesetzt

Dass dabei allerdings nicht jeder Einwand angenommen wird, hat Barbara von Boroviczény bereits erfahren. Ihre Kritik an neu aufgestellten Sitzbänken, die für Senioren nicht geeignet seien, teile man bei der Deutschen Wohnen nicht. „Das ist bezeichnend für eine Wohnungsbewirtschaftung durch Akteure der Finanzwirtschaft. Ein menschlicher und gerechter Umgang bleibt immer auf der Strecke“, meint von Boroviczény.

Philip Aubreville / Bild: Barbara Boroviczeny

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