Glatte Sechs für unsere Schule

Bildung: Deutschlands Lehrer des Jahres stellt sein Buch im Schloss Schönhausen vor.

Robert Rauh ist Deutschlands Lehrer des Jahres 2013, gebürtiger Pankower, wohnt in Weißensee und moderiert die Schönhausener Schlossgespräche. Und jetzt schreibt er auch noch… „Schule, Setzen, Sechs!“ lautet sein Werk, das nicht Fachbuch, sondern Mutmacher sein will. Ist das deutsche Schulsystem wirklich so schlecht? Berichte über ausgebrannte Lehrer, lernunwillige Schüler und genervte Eltern lassen nur einen Schluss zu: Es läuft etwas falsch an unseren Schulen. Robert Rauh ist der Auffassung: Pädagogen und Eltern können und müssen etwas ändern. Und zwar vor Ort: in den Schulen! Denn die Spielräume für Veränderungen sind größer, als viele denken – oder bereit sind zuzugeben. Wie viel Gestaltungsraum Lehrer und Eltern haben, verdeutlicht Rauh anhand unterhaltsamer Geschichten aus seinem Lehreralltag – vom Berufsanfänger bis zum Gewinner des Deutschen Lehrerpreises.

Bessere Ausstattung

Und er fordert von den Politikern, endlich die Ausstattung der Schulen zu verbessern und die Kleinstaaterei im Bildungswesen zu überwinden. Robert Rauh macht klar: „Wir dürfen die Schule nicht allein dem Staat überlassen. Mut und Eigeninitiative sind gefragt. Und wir Lehrer sollten mit gutem Beispiel vorangehen.“ Sein Buch ist eine Liebeserklärung an den aufregendsten Beruf der Welt und zugleich ein engagiertes Plädoyer für eine neue Schulkultur. Dabei zeigt er bei Streitthemen wie der Inklusion klare Kante: Anschaulich schildert er ein Beispiel, wie es nicht laufen darf, aber all zu häufig Praxis ist. Sein Fazit: Die Einheitsschule ist nicht die Lösung. „Da können die Inklusionsdogmatiker mit der UN-Konvention wedeln, so viel sie wollen. Gleichheit bedeutet nicht automatisch Gerechtigkeit“. Letztendlich leiden alle: die Schüler mit und die ohne Handicap, lautet seine Erfahrung. Allen Bildungspolitikern schreibt er ins Stammbuch: „Inklusion gibt es nicht zum Nulltarif.“ Solange Personal-, Raum- und Finanzausstattung nicht stimmen, „kann die Inklusion in Deutschland nicht gelingen“.

Dass es auch anders geht, zeigen eigene Erfahrungen von einer Schule, die Inklusion von körperlich behinderten Schüler seit 20 Jahren erfolgreich praktiziert. Er erzählt vom gemeinsamen Glücksgefühl, wenn Schüler das Abitur schaffen, denen dies anfangs kaum zugetraut wurde. Manchem mag sein Buchtitel zu absolut, zu reißerisch sein. In den eigenen Reihen läuft der Autor gar Gefahr, als Nestbeschmutzer zu gelten. Doch Robert Rauh steht zu seinem Urteil und erteilt der Schule eine Sechs. Er weiß, dass er Teil dieses ungenügenden Systems ist. Sein Fazit: „Schule wird so lange nicht gut sein, solange Kinder benachteiligt werden, der Unterricht für sie frustrierend ist und jedes Jahr Tausende Jugendliche keinen Abschluss machen.“

Authentisch

Als das Angebot zum Schreiben des Buches kam, erbat sich Rauh zwei Wochen Bedenkzeit. Warum das Zögern? „Erstens, weil es schon gute Pädagogik-Ratgeber gibt. Und zweitens, weil die Agentur nicht schulpolitische Thesen von mir wollte, die ich sofort parat gehabt hätte, sondern persönliche Episoden aus meinem Lehreralltag. Da aber fragte ich mich: Sind die für die Öffentlichkeit bedeutend genug?“ Auf jeden Fall sind alle Geschichten authentisch, auch wenn mancher Name zum Schutz der Person geändert wurde. Gern folgt der Leser Rauhs Anekdoten aus dem Schulalltag, erkennt manches sicher wieder, schüttelt zuweilen entsetzt den Kopf und lacht doch immer wieder herzlich. Nicht der schlechteste Mutmacher.

Am 22. September, ab 19 Uhr liest Robert Rauh im Festsaal des Schloss Schönhausen aus seinem Buch. Der Eintritt ist frei.

Buchtipp

Robert Rauh: „Schule, setzen, sechs.“
ISBN 978-3-466-31053-1
Preis: 17,99 Euro I Kösel-Verlag

Michael Hielscher / Bild: Archiv/Stefan Bartylla (Rauhmit seiner Klasse 2013 nach seiner Wahl zum Lehrer des Jahres)

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