Ankermieter geht von Bord

Einzelhandel: Das beliebte Gesundbrunnencenter verliert einen Besucher-Magneten.

Ist das nun ein Indiz für den weiteren Niedergang des Brunnenviertels in Sachen Einzelhandel oder einfach nur ein ganz normaler Vorgang im Leben eines Einkaufszentrums? So genau weiß das niemand, fest steht jedoch, dass das Gesundbrunnen-Center mit dem Real-Markt schon recht bald einen sogenannten Ankermieter verlieren könnte. Das sind Läden, die dafür sorgen, dass die Frequenz an Einkaufswilligen eine gewisse Marge nicht unterschreitet. Und der Real-Supermarkt im Gesundbrunnen-Center hat einen großen Anteil daran, dass es Tag für Tag von mehr als 33.500 Menschen besucht wird.

Höhere Personalkosten

Hintergrund der Aufgabe ihrer Gesundbrunnen-Filiale ist, dass die zum Metrokonzern gehörende Real-Kette schon längere Zeit in der Krise steckt. Nicht zuletzt die im Vergleich zur Billigkonkurrenz deutlich höheren Personalkosten und der Modernisierungsdruck in erfolgreichen Filialen zwinge Real dazu, sich bis Ende 2016 von deutschlandweit sieben Filialen zu trennen. So heißt es aus der Konzernzentrale, dass das Unternehmen aufgrund der Rahmenbedingungen im Gesundbrunnen-Center keine Perspektive sehe, diesen Standort dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben. Gegenüber unserem Schwesterblatt Berliner Zeitung reagierte Center-Chefin Anna Reinhardt überrascht auf die Entscheidung des Konzerns. Real habe einen gültigen Vertrag bis übers Jahr 2016 hinaus, der auch eingehalten werden müsse. Schon wird spekuliert, dass der Kundenmagnet Real mit seiner Ankündigung, das eigentlich erfolgreiche Gesundbrunnen-Center zu verlassen, eigentlich nur versucht, seine Mietzahlungen zu drücken.

Bevorzugte Mitarbeiter

Das allerdings geschieht auf dem Rücken einer verunsicherten Belegschaft. Dort kursieren Gerüchte, dass bereits Ende September das Aus kommen werde. Zu einem konkreten Termin wollte Real sich nicht äußern, teilte aber mit, dass mit den Gewerkschaften Verhandlungen über einen Sozialplan aufgenommen würden und frei werdende Arbeitsplätze in den anderen sechs Filialen im Großraum Berlin bevorzugt Mitarbeitern aus dem Wedding angeboten werden.

Manfred Wolf

 

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