Krach um grüne Inseln

Nachverdichtung: Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte ändert Neubaupläne.

Das Thema Nachverdichtung hält viele Mieter im Friedrichshainer Westen seit Monaten in Atem. Der Grund: Die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) hatte angekündigt, bis zu 700 Wohnungen auf Bestandsgrundstücken zu errichten. Nach Mieterprotesten und offenbar auf politischen Druck hin hat das landeseigene Unternehmen seine Planungen reduziert. Die abgeänderte Potenzialanalyse sieht nun vor, 20 statt 37 Wohnhäusern zu errichten. Die Zahl der Punkthäuser – Zehngeschosser mit einer Grundfläche von 18 mal 18 Metern – wurde von 22 auf 15 gesenkt.

Im Schatten

Eine besonders dichte Bebauung war im Bereich zwischen Karl-Marx-Allee, Koppenstraße. Lebuser Straße und Palisadenstraße geplant. Dort peilt die WBM statt sieben nur noch vier neue Gebäude an. Zwischen Koppenstraße und Andreasstraße sind vier statt acht Häuser geplant. In der Krautstraße und in der Langen Straße könnten nach wie vor jeweils drei Wohnhäuser entstehen, wie aus einer Übersicht der WBM hervorgeht. Mieter in der Krautstraße befürchten, dass ihre Wohnungen künftig sprichwörtlich im Schatten der Neubauten stehen könnten. Zudem seien wertvolle Vogel- und Baumbestände bedroht. Nicht zuletzt sei die Versorgung mit Kitas und Parkplätzen ungeklärt. „Für die Krautstraße bleibt alles unverändert, die Mieter an der Karl-Marx-Allee hatten Glück“, so eine Mieterin aus der Krautstraße. Rund 350 Anwohner der Krautstraße und der Lichtenberger Straße hätten bis dato schriftlich Einspruch gegen die ursprüngliche WBM-Analyse erhoben. Ende August wurde auf Initiative der WBM der „Runde Tisch Stadtentwicklung Friedrichshain“ ins Leben gerufen. Alle Beteiligten der Kommunikationsplattform, zu denen auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zählt, hätten die eventuelle Bebauung von Innenbereichen der Quartiere als „besondere Herausforderung“ gesehen, teilt die WBM mit. Mietervertreter hätten derartige Pläne abgelehnt. Zur Klärung strittiger Fragen ist ein Architekturwettbewerb im Gespräch.

Gutachten angekündigt

„Erst nach der detaillierten Analyse jedes einzelnen Standortes erfolgt die weitere Planung, das Baugenehmigungsverfahren und damit die Entscheidung, ob ein Neubau realisiert wird“, so die WBM über das weitere Vorgehen. Zudem sei zugesagt worden, nach einem positiven Bauanfragenvorbescheid Gutachten zu Schall, Wärme, Luftzirkulation und Verschattung durchzuführen. Ende Juni hatte die Bezirksverordnetenversammlung das Bezirksamt beauftragt, auf die WBM einzuwirken, eine transparente Debatte über ihre geplanten Bauvorhaben in Friedrichshain-West mit den Anwohnern zu führen und eine umfassende Bürgerbeteiligung zu ermöglichen. Dabei stehen die Anpassung der sozialen Infrastruktur an die wachsende Einwohnerzahl und die Auswirkungen auf die Wohnqualität für die Anwohner im Fokus. Derweil setzt die WBM an vielen anderen Stellen des Bezirks Neubauprojekte um. 110 neue Wohnungen sind derzeit in Friedrichshain im Bau. Im November sind 41 Wohnungen in der Gärtnerstraße bezugsfertig, kündigt die WBM an.

Nils Michaelis (Text und Bild) 

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