Messer-Attacke auf Zirkuszelt

Soziales: Rätsel um Anschlag gegen ukrainische Flüchtlingskinder, Staatsschutz ermittelt.

Die Beschädigung eines Zirkuszeltes, in dem Workshops für Kinder aus Steglitz-Zehlendorfs ukrainischer Partnergemeinde Charkiv stattfanden, gibt Rätsel auf. Während die Polizei noch nach den Tätern sucht, halten die Organisatoren des Zirkusprojektes einen politischen Hintergrund für wahrscheinlich. 40 ukrainische Kinder, die als Flüchtlinge in Charkiv leben, waren während der Sommerferien in die Jugendfreizeiteinrichtung Düppel gekommen. Gemeinsam mit Kindern aus dem Bezirk präsentierten sie in mehreren Vorstellungen ihr hier erworbenes Können und traten als Artisten, Jongleure oder Clowns auf.

Mit dem Messer

Die letzte geplante Vorstellung Ende August stand dabei aber kurzzeitig auf der Kippe: Unbekannte hatten wenige Tage zuvor mit einem Messer die Plane des Zirkuszeltes zerschnitten. „Bei stürmischem Wetter hätten wir nicht spielen können, da die Stabilität der Zeltkonstruktion gefährdet gewesen wäre“, erklärt Mitveranstalter Oliver Schruoffeneger, der für die Grünen im Abgeordnetenhaus sitzt. Glücklicherweise habe man die Plane aber zunächst notdürftig flicken und so die letzte Vorstellung gewährleisten können. Nun müssen die Veranstalter die geliehenen Zelte jedoch ersetzen. Schruoffeneger beziffert den Schaden im mittleren fünfstelligen Bereich. Immerhin: Die Kinder blieben von den Turbulenzen verschont, denn die Sachbeschädigung am Zelt wurde erst nach der letzten Vorstellung öffentlich gemacht. „Wir wollten nicht, dass die Kinder das Gefühl bekommen, auch hier angegriffen zu werden oder gefährdet zu sein“, sagt Schruoffeneger. Der Politiker ist überzeugt, dass es sich um einen Anschlag handelt: „Die Schnitte befanden sich in etwa 3,50 bis 4 Metern Höhe oben auf der Zeltplane. Die Täter wussten also genau, wo ein Zelt am effektivsten zu zerstören ist. Außerdem fand die Messer-Attacke am Tag des ukrainischen Nationalfeiertags statt. Das ist schon ein erstaunlicher Zufall.“

Keine politische Motivation

Bei der Berliner Polizei ist man dagegen zurückhaltender, was einen Zusammenhang mit den momentanen Ereignissen in der Ukraine angeht. „Der Staatsschutz konnte keine Anhaltspunkte für eine politische Motivation feststellen. Die Sachbeschädigung wird auf dem zuständigen Polizeiabschnitt bearbeitet“, erklärt der stellvertretende Pressesprecher Thomas Neuendorf.

Mitveranstalter Schruoffeneger hofft jedenfalls, dass die Polizei bei ihren Ermittlungen auch die politischen Hintergründe berücksichtigt.

Titelbild: Oliver Schruoffeneger (r.) ist Mitveranstalter der Zirkus-Workshops

Philip Aubreville / Bild: Büro Oliver Schruoffeneger

 

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