Unter der Greifswalder schnell in die City

Verkehr: Übervolle Tramzüge auf der M4 regen die Fantasie der Lokalpolitiker an.

Weißensee wächst stark. Auch dort wird seit einigen Jahren jede Lücke genutzt, um neuen Wohnraum zu schaffen. Immer mehr Menschen entdecken diesen Stadtteil mit seinen Vorzügen für sich. Der enormen Taktverdichtung und dem weitgehenden Einsatz moderner Flexity-Züge zum Trotz ist die Straßenbahnlinie M4 bereits heute überlastet. Im Berufsverkehr ist stadtauswärts oft schon an der Haltestelle Alexanderplatz kein Einstieg in die überfüllte Bahn mehr möglich. Rollstuhlfahrer oder Fahrgäste mit Kinderwagen können die Linie aus Platzmangel häufig selbst außerhalb der Stoßzeiten nicht nutzen.

Dichter Abendtakt

Für Dennis Buchner, Landesgeschäftsführer der Berliner SPD und Vizechef der Pankower Genossen, war dies Anlass, im Abgeordnetenhaus eine Schriftliche Anfrage zu stellen: Welche Pläne gibt es in der Verwaltung und der BVG, diese Probleme zu lösen und künftig eine ausreichende Anbindung des wachsenden Stadtteils Weißensee und der angrenzenden Gebiete an den Öffentlichen Personennahverkehr zu gewährleisten? Staatssekretär Christian Gaebler antwortete: „Der Ortsteil Weißensee wird bereits gegenwärtig gut durch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angebunden.“ Für die nächsten Jahre seien für die Linie M4 – vorbehaltlich der Verfügbarkeit entsprechender Haushaltsmittel – weitere zeitliche Ausweitungen dichter Takte in den Abendstunden oder während der Ferien in Planung. Taktverdichtungen in der Hauptverkehrszeit über den Drei- und Vier-Minuten-Takt hinaus seien kurzfristig jedoch nicht realisierbar. Um auf den mittel- und langfristig prognostizierten weiteren Anstieg der Bevölkerung und somit der Verkehrsnachfrage reagieren zu können, verfolgen Senat und die BVG stattdessen das Ziel, längere Fahrzeuge bzw. Züge mit größerer Kapazität anzuschaffen. Nicht zu vergessen, das Personal! Denn vor kurzem noch drohte die BVG an, auch auf der M4 die Taktfrequenz auszudünnen – wegen fehlender Straßenbahnfahrer.

Alter Plan

Die FDP Pankow sieht einen anderen Lösungsansatz: Die Freien Demokraten setzen sich für den U-Bahnbau der bereits im BVG-Plan von 1977 vorgesehenen Linie U10 vom Alexanderplatz nach Weißensee ein. „Eine U-Bahn-Anbindung Weißensees in das Stadtzentrum wäre ein elementarer Bestandteil der Verkehrsentwicklung und ist deshalb in den vordringlichen Bedarf der BVG aufzunehmen“, fordert Pressesprecher Thomas von Münster. Tatsächlich gab es einst Pläne, eine U-Bahn-Verbindung als Linie U10 von Weißensee unter der Greifswalder Straße über Alexanderplatz, Unter den Linden und Potsdamer Platz bis nach Steglitz und Lichterfelde zu führen.

Planung nie realisiert

Realisiert wurde diese ehrgeizige Planung – bedingt durch die Teilung der Stadt – nie. Allerdings gab und gibt es diverse Bauvorleistungen, vor allem an Kreuzungsstationen. Wegen der zahlreichen Rohbau-Tunnel und -Bahnhöfe, die teilweise an den Umsteigebahnhöfen sichtbar sind oder im Rahmen verschiedener Veranstaltungen gelegentlich besichtigt werden können sowie wegen der aus heutiger Betrachtung mittlerweile aussichtslosen Vollendung, wird diese Linie im Volksmund gern als „Phantomlinie“ bezeichnet.

Realisiert wurde diese ehrgeizige Planung – bedingt durch die Teilung der Stadt – nie. Allerdings gab und gibt es diverse Bauvorleistungen, vor allem an Kreuzungsstationen. Wegen der zahlreichen Rohbau-Tunnel und -Bahnhöfe, die teilweise an den Umsteigebahnhöfen sichtbar sind oder im Rahmen verschiedener Veranstaltungen gelegentlich besichtigt werden können sowie wegen der aus heutiger Betrachtung mittlerweile aussichtslosen Vollendung, wird diese Linie im Volksmund gern als „Phantomlinie“ bezeichnet.

Parallele Strecke

Nach 1993 wurden die Planungen zur Linie U10 zugunsten einer neuen Linie U3 verworfen. Östlich des Wittenbergplatzes sollte diese Linie zum Alexanderplatz bis nach Weißensee geführt werden. Der 1961 eröffnete U-Bahnhof Kurfürstendamm wurde hierzu beim Bau bereits so angelegt, dass er später von Klein- auf Großprofil umgestellt werden kann. Beim Bau dieser Linie würden die Metrotramlinie M4 und die U-Bahnlinie U2 entlastet und die Beförderungsgeschwindigkeit auf diesem Abschnitt erhöht werden. Ob diese parallele Linienführung wirtschaftlich sinnvoll ist, wurde bislang nicht untersucht. Seit der Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans Verkehr im Jahr 2003. Aktuell sind die Planungen für die U3 weder Teil der ÖPNV-Entwicklungsplanung des Landes Berlin bis 2015 noch gehört die Linie zu den ÖPNV-Netz-Prioritäten bis 2030. Dennoch ist die Linien-Variante nach wie vor im aktuellen Flächennutzungsplan des Landes enthalten. So wird beim Bau der Station Berliner Rathaus der U5 die unter der Bahnhofsebene befindliche Abstellanlage so errichtet, dass sie später zu einem Bahnhof der U3 umgebaut werden kann.

Nicht aktuell

Senatssprecher Martin Pallgen: „Es gibt eine Vielzahl an Maßnahmen und Projekten, die in den vergangenen Jahrzehnten zur Debatte standen und derzeit wieder viel Aufmerksamkeit erfahren. Die Senatsverwaltung prüft in Zusammenhang mit den anstehenden Erkenntnissen zu weiteren Bevölkerungsentwicklung regelmäßig auch die Frage nach erforderlichen Infrastrukturergänzungen. Angesichts der hohen Kosten für den U-Bahnbau denken wir zurzeit nicht über den Bau einer U-Bahnlinie nach Weißensee nach, zumal der Stadtteil gut über die Straßenbahn mit dem Alexanderplatz verbunden ist.“Michael Hielscher

Titelbild: BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta

Michael Hielscher / Bild: BVG/Oliver Lang 

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