Ein Ort für Frauenpower

Wirtschaft: Das Gründerinnenzentrum eröffnete seine Räume im Goerzwerk.

Anfang des Jahres konnte man zuletzt beobachten, was für ein heikles Thema Frauen in wirtschaftlichen Führungspositionen noch immer sind: Die Debatte um die gesetzliche Quote für Frauen in den Aufsichtsräten für DAX-Unternehmen sorgte monatelang für heftige Debatten – und auch kurz vor dem Inkrafttreten des Gesetzes wird diese Quote von zahlreichen Unternehmen noch immer ignoriert.

Unter Dach und Fach

Im Bezirk machen einige Frauen ihre Karriere schon länger nicht mehr abhängig vom guten Willen ihrer Vorgesetzten – und gründen kurzerhand ihr eigenes Unternehmen. Vor zwei Jahren riefen sie das Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentrum Steglitz Zehlendorf (GUZSZ) zunächst als Genossenschaft ins Leben. Nun wurde das Projekt endgültig unter Dach und Fach gebracht: Gerade eröffnete die Geschäftsstelle im „Goerzwerk“ in der Goerzallee 299, die sich mit Räumen vom Büro bis zur Werkstatt für wirtschaftlichen Erfolg besonders gut eignen dürfte. „Uns geht es darum, weibliche Wirtschaftskraft im Bezirk nachhaltig zu fördern und besser sichtbar zu machen und den Frauen optimale Rahmenbedingungen für ihren wirtschaftlichen Erfolg zu bieten“, erklärt GUZSZ-Sprecherin Zdenka Hruby. Die Gründerinnen aus Bereichen wie der Kommunikations- und Kreativwirtschaft, aus dem Handwerk, der Technik- oder Gesundheitsbranche profitieren dabei nicht nur von den Netzwerkmöglichkeiten und Kostenersparnissen, die sich etwa durch gemeinsam genutzte Arbeitsräume ergeben. Auch Büroservice, IT-Ausstattung und Seminarräume stehen im Gründerinnenzentrum allen Beteiligten zur Verfügung und schonen das Budget der Unternehmen. „Darüber hinaus werden Seminare und Vorträge rund um die Themen Unternehmensgründung und -führung angeboten“, sagt Hruby.

Erfolgreich im Business

Die Fokussierung auf weibliche Unternehmerinnen und Gründerinnen sei dabei auf die „eklatanten Unterschiede von weiblichem und männlichem Gründungsverhalten“ zurückzuführen, meint Hruby. Differenzen würden vor allem die persönlichen Ressourcen, die Branchenwahl, die Höhe des Kapitaleinsatzes und nicht zuletzt die Unternehmensgröße betreffen. So würden zwei Drittel aller Unternehmensgründungen von Frauen als Nebenerwerb betrieben – und selbst im Vollerwerb seien die Unternehmen meist kleiner dimensioniert als die ihrer männlichen Gründer-Kollegen. „Dabei sind Frauen oft erfolgreicher im Gründungsprozess, weil sie vorsichtiger sind“, sagt Hruby.

Frauen fördern

Das erklärte Ziel des Gründerinnenzentrums ist, weibliche Wirtschaftskraft zu fördern. Deshalb sollen auch Gründungen mit Beteiligungen von Männern und Frauen nur dann unter dem Dach des GUZSZ starten, wenn sie mehrheitlich in Frauenhand sind. In der Politik kamen die Gründerinnen mit ihrem Konzept dabei gut an. So untersützte Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) das Projekt ebenso wie die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen und die Wirtschaftsförderung Steglitz-Zehlendorf, erklärt Hruby.

Philip Aubreville

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