Eine Kirche für Flüchtlinge

Titelstory: St.-Simeon-Kirche wird zum Beratungs- und Begegnungszentrum.

Als Beratungs- und Begegnungsort für Flüchtlinge soll die St-Simeon-Kirche in der Wassertorstraße künftig dienen. Ehrenamtliche Helfer finden dort ebenfalls Unterstützung. Jetzt wurde das Konzept für das Gotteshaus vorgestellt.

Ein offener Ort für die Unterstützung und Beratung von Flüchtlingen und für deren ehrenamtliche Helfer: Dieser Gedanke steht hinter der Flüchtlingskirche, die die Evangelische Landeskirche jetzt in der Sankt-Simeon-Kirche in Kreuzberg eingerichtet hat.

„Das Interesse an der Einrichtung und an Möglichkeiten, zu helfen, ist enorm, aus der ganzen Stadt haben sich freiwillige Helfer gemeldet“, sagt Pfarrerin Beate Dirschauer. Sie gehört einem achtköpfigen Team aus Geistlichen, Sozialpädagogen und Juristen an. Zum Auftaktgottesdienst seien rund 430 Teilnehmer gezählt worden, erwartet wurden 150. Ein Ziel der Flüchtlingskirche – laut Landeskirche die erste Einrichtung ihrer Art in Deutschland – besteht darin, die soziale Infrastruktur für die Neuankömmlinge zu öffnen. Vertreter verschiedener Organisationen helfen ihnen dabei, Anträge auszufüllen und sich im Behördendschungel zurechtzufinden. Unter anderem ist der Verein „Asyl in der Kirche“ vor Ort aktiv. Außerdem sollen Menschen mit und ohne Fluchterfahrungen für das Ehrenamt gewonnen und für die Arbeit mit geflüchteten Menschen qualifiziert werden. „Durchgängiges Ziel der Flüchtlingskirche ist es, Menschen sichtbar zu machen, die ungesehen sind“, wird mitgeteilt.

Das Gotteshaus an der Wassertorstraße bietet nicht nur reichlich Platz.

Das Gotteshaus an der Wassertorstraße bietet nicht nur reichlich Platz.

„Ihnen sollen eine Stimme und ein Raum gegeben werden, in dem sie aktiv ihre Ideen und Interessen einbringen, eigene Projekte entwickeln und umsetzen können.“ Begleitet und koordiniert werden die Hilfsangebote von dem Team in der Flüchtlingskirche. Angestrebt wird aber auch ein lebendiger Austausch zwischen Anwohnern und Flüchtlingen. Dafür wird gerade das Café „Coffee to-gether“ in der Kirche eingerichtet. Aber auch gemeinsame Gottesdienste sollen die Herzen und Köpfe öffnen. Und zwar in „liturgischer Gastfreundschaft“, wie Dirschauer betont. Soll heißen: Während der Gottesdienste wird niemand wegen seiner religiösen Orientierung ausgegrenzt. Geplant sind gemeinsame Friedens- und Klagegebete. Außerdem sollen kulturelle Veranstaltungen stattfinden. „Wir stellen uns der Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so Dirschauer. Die Wahl der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg – schlesische Oberlausitz fiel nicht zufällig auf den Bau in der Wassertorstraße. Für den Standort sprachen neben freien Räumen und der verkehrsgünstige Lage auch der hohe Migrantenanteil im dem Quartier, so Dirschauer. „Die zuständige Kirchengemeinde Kreuzberg-Mitte hat uns von Anfang an unterstützt, dort sieht man das Projekt als Bereicherung an“, so Dirschauer.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.ekbo.de.

Nils Michaelis / Bilder: Thorsten Witttke

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