Neue Heimat im Sportverein

Zuwanderung: Vereine integrieren Flüchtlinge / Halle in Buckow jetzt Notunterkunft.

Die steigende Zahl von Flüchtlingen zu integrieren, wird immer wieder als Herausforderung benannt. Neuköllner Sportvereine engagieren sich.

Flüchtlinge brauchen nicht nur ein Dach über dem Kopf. Entscheidend dafür, der Monotonie in den Unterkünften zu entkommen und die Integration voranzubringen, ist die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Zahlreiche Sportvereine im Bezirk haben auf diese von Politikern immer wieder erhobene Forderung reagiert – oder sind ihnen sogar zuvorgekommen. Die SG Neukölln e. V. hat bereits in den Sommerferien Schwimmpatenschaften für geflüchtete Kinder angeboten. Für diesen Herbst wurden reguläre Kurse angekündigt, an denen dann zwei Kinder aus der Unterkunft in der Haarlemer Straße teilnehmen können. Der TTC Berlin-Neukölln e. V. bietet für Flüchtlingskinder Probetrainings im Tischtennis an. Die Kinder können danach entscheiden, ob sie regulär mitspielen möchten.

„Sowohl der V.f.B. Concordia Britz e. V. als auch der SV Tasmania Berlin e. V. lädt junge geflüchtete Männer zum Fußball-Training ein und nimmt sie teilweise gern als Spieler auf“, so Bezirksstadtrat Jan-Christopher Rämer (SPD) in seiner Antwort auf eine Anfrage der SPD-Fraktion. Bei Tasmania hätten zeitweise zwei Personen am Training teilgenommen. Über den Verein würden zudem Freikarten für die Spiele an Flüchtlinge vergeben. „Diese Sportangebote für Flüchtlinge sind in den genannten Vereinen bereits vor längerer Zeit aus dem eigenen Engagement heraus entstanden“, betont Rämer.

Lockerer Umgang

CR_LVS_NE_S3Sport als ein Weg, Barrieren abzubauen und Kontakte zu ermöglichen: Dieser Gedanke steht auch hinter dem Engagement des ISS Berlin e. V. Seit vergangenem Herbst ist der Verein offen für Flüchtlinge. Mit der Basketball-Mannschaft namens „one world“ kam die Sache im Frühjahr richtig ins Laufen. Derzeit besteht das Team zu rund 80 Prozent aus Geflüchteten. In dem Team engagieren sich viele „alteingesessene“ Berliner, darunter Sozial- und Sportpädagogen sowie eine ehemalige Basketball-Nationalspielerin. Hinzu kommen Zuwanderer aus Frankreich und anderen Ländern. „Flüchtlinge und Nichtflüchtlinge tauschen sich aus und helfen einander, auch in ganz alltäglichen Dingen jenseits des Sports“, berichtet Trainer Gregor Wendler. „Grundlage dafür ist der Basketball.“ Jeden Freitag trifft sich ein Kreis von 20 bis 30 Menschen ab 19.30 Uhr zum Training. Die Flüchtlinge kommen unter anderem aus Syrien, Irak, Pakistan, Gambia und Eritrea. Wendler sieht viele positive Effekte durch den Sport. „Die Spielerinnen und Spieler gehen völlig unvoreingenommen miteinander um“, sagt er. Die Flüchtlinge „Dass wir die Trainingseinheiten auf Deutsch abhalten, hilft ihnen dabei, die Sprache zu lernen.“ Das Projekt nimmt immer größere Dimensionen an. Im vergangenen Jahr hatte Wendler mit einem Flüchtling die Idee für die Mannschaft entwickelt. Mittlerweile gibt es drei weitere Trainer. Ihnen steht ein sechsköpfiges Organisationsteam zur Seite. In der Freizeit-Basketball-Liga trifft das „one World“-Team am 7. November auf die Berlin Claws. Los geht es um 10 Uhr in der Sporthalle der Schilling-Schule (Paster-Behrens-Straße 81). Unter dem Druck der Flüchtlingswelle werden immer wieder Sporthallen zur Notunterkünften umfunktioniert. Am Montag zogen die ersten Flüchtlinge in die Doppelstockhalle am Buckower Damm 282. Die Neuankömmlinge, darunter 30 bis 40 Kinder, stammen fast ausnahmslos aus Syrien, so das Bezirksamt. Bislang fand dort der Schulsport des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums und der Heinrich-Mann-Sekundarschule statt. Auch die Handballer des SV Bucko trainierten dort.

Nils Michaelis / Bilder: ISS Berlin e.V.

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