Hoch hinaus an der Spree

Stadtentwicklung: Konzept für Neubauten in Alt-Treptow erntet geteiltes Echo.

Das wohl umstrittenste Immobilienvorhaben im Bezirk nimmt konkrete Formen an. Kürzlich wurden bei einer Bürgerversammlung Details für das in Alt-Treptow geplante Projekt „Hotel und Wohnen an der Spree“ vorgestellt.

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An dem Immobilienprojekt „Wohnen und Hotel an der Spree“ scheiden sich auch nach einer Anwohnerversammlung die Geister

An der Fanny-Zobel-Straße sollen drei Punkthochhäuser mit einem sockelartigen Unterbau errichtet werden. Durch die Minimierung der Grundfläche der Bebauung werde eine hohe Wohn- und Aufenthaltsqualität ermöglicht, teilt die Projektentwicklungsgesellschaft Agromex mit. Laut Bezirksamt waren ursprünglich drei sogenannte Zwillingstürme geplant. „Andererseits wird sichergestellt, dass die Qualitäten der bestehenden Wohnbebauung durch vielfältige Weit- und Durchblicke sowie Bezüge zur Spree erhalten bleiben“, so Agromex. „Die Häuser sind so ausgerichtet, dass ihr Schattenschlag auf die Spree fällt und die Nachbarbebauung somit nicht beeinträchtigt wird.“ Das Zentrum des Quartiers bildet eine rund 2.000 Quadratmeter große Spiel- und Grünfläche. Sie ist öffentlich zugänglich und mit Spielflächen und Ruhezonen ausgestattet sowie über Durchwegungen direkt mit dem Spreeuferweg verbunden. Zudem soll über die westliche und östliche Fanny-Zobel-Straße eine Tiefgarage mit 350 Pkw- und 400 Fahrrad-Stellplätzen erschlossen werden – so soll der Verkehr aus dem Quartier herausgehalten werden.

Architektur gelungen

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Am westlichen Ufer soll auch künftig ein weiter Blick auf die Spree möglich sein

Im Bezirks­amt werden die Planungen begrüßt. „Ich halte die Architektur für gelungen, die Türme werden schlanker als ursprünglich vorgesehen, das ermöglicht den Blick auf die Spree, allerdings werden sie dadurch auch höher“, sagt Ulrike Zeidler, die Leiterin des Stadtentwicklungsamts. „Der Bauherr hatte angekündigt, das in den 90er-Jahren geschaffene Baurecht nicht voll auszuschöpfen, das gibt dem Bezirksamt die Möglichkeit, die Planungen an die Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen.“ Zeidler rechnet damit, dass im kommenden Jahr die Bauarbeiten beginnen. Anwohnerproteste begleiten das Projekt seit Jahren. Die Initiative „Karla Pappel“ hat wiederholt kritisiert, dass am Spreeufer anstelle von günstigen Wohnungen Luxusappartements entstünden und die Aufwertung des Kiezes zulasten der Anwohner vorangetrieben würde. Axel Sauerteig vom Stadtentwicklungsausschuss kann die Kritik in Teilen nachvollziehen, hebt aber auch die Vorteile des Bebauungsplans hervor. „Der ursprünglich geplante Bau hätte den Blick auf die Spree komplett verdeckt, jetzt gibt es stellenweise freie Sicht“, sagt der Grünen-Politiker. Dass an dieser Stelle gebaut wird, würde schon lange feststehen – auch, dass keine Sozialwohnungen, sondern Luxusapartments entstehen. Die Grünen hätten keine Einwände gegen die geplante Bebauung, wenngleich man von dem Projekt nicht begeistert sei. „Wir hätten uns eine niedrigere Bebauung gewünscht, das Ganze wird ziemlich massiv“, so der Bezirksverordnete. Aus Sauerteigs Sicht wäre es sinnvoll gewesen, das Bebauungsplanverfahren neu zu beginnen. Zu spät und erst auf Druck der Grünen habe das Bezirksamt eine Bürgerversammlung einberufen. „Hoffentlich werden die Einwände der Anwohner angemessen berücksichtigt“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Unter anderem sei der durch die Zuzügler zu erwartende zusätzliche Verkehr zu gering berechnet worden.

Text: Nils Michaelis / Bilder 1&2: imago/PEMAX/Pysall Architekten / Bild 3: imago/PEMAX

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