Stolpersteine werden wieder verlegt

Beschluss: Projekt zum Gedenken an NS-Opfer wird fortgeführt.

Lang war der Kampf um das Fortbestehen des Stolperstein-Projekts in Tempelhof-Schöneberg. Die Koordinierungsstelle für die Verlegung der quadratischen Messingplatten zum Gedenken an jüdische NS-Opfer sollte gestrichen werden. Die Anmeldungen für neue Stolpersteine häuften sich immer mehr. Nun endlich teilt die Stolperstein-Initiative Stierstraße/Friedenau mit: Es geht weiter.

Feste Größe

Wie immer handelte es sich um die Frage, ob der Bezirk diese Stelle weiter finanzieren kann. In den Haushaltsberatungen stand das Thema zur Debatte. Kulturstadträtin Jutta Kaddatz hatte für ihre Abteilung eine halbe Stolpersteinstelle im Heimatmuseum Schöneberg eingeplant. Diese wurden mit dem Beschluss des Haushaltsentwurfs endlich zur festen Größe im Bezirksetat.

„Ende August hatten wir einen eindringlichen schriftlichen Appell an die Mitglieder des Finanzausschusses gerichtet, für die Einrichtung einer solchen bezirklichen Stolpersteinstelle zu stimmen, damit die für die Zukunft des Gedenkprojekts notwendige administrative Begleitung gesichert wird“, erzählt Sigrun Marks von der Stolperstein-Initiative. Nach ihrer siebten Mahnwache vor dem Rathaus seien Anhänger und Freunde des Projekts direkt als zuhörende Gäste im Beratungssaal aufgetaucht. Die halbe Stolpersteinstelle wurde bei der Diskussion von keinem der Mitglieder in Frage gestellt. Auf Nachfrage von Jan Rauchfuß (SPD) und Jörn Oltmann (Grüne), wie schnell diese Stelle eingerichtet werden könnte, hieß es von Seiten der Abteilung von Jutta Kaddatz, dass die Stelle ausgeschreiben würde, sobald die Bezirksverordneten den Haushalt beschlossen haben. In der BVV-Sitzung vom 25. September wurde der Haushaltsplan für 2016/17 mit der Mehrheit von SPD und Grünen und gegen die Stimmen der CDU angenommen. So steht der Neubesetzung der Stelle nichts mehr im Weg. „Wir werden wegen der schnellen Einrichtung der bezirklichen halben Stolpersteinstelle wachsam bleiben und erwarten das auch von den in der BVV vertretenen Parteien“, sagt Marks. Schließlich würden mehr als 250 Stolpersteine im Bezirk auf ihre Verlegung warten. „Hochbetagte Angehörige von Opfern der Naziverbrechen und viele Stolpersteinpaten und Initiatoren aus der Zivilgesellschaft warten ungeduldig darauf, dass dieser Stolpersteinstau endlich abgebaut werden kann“, erklärt Sigrun Marks.

Monate unbesetzt

Unabhängig von den Planungen für 2016 blieb die Koordinierungsstelle auch in diesem Jahr ganze neun Monate unbesetzt, da keine geeigneten Bewerber für die vom Jobcenter zur Verfügung gestellte Stelle zu finden waren. Vor Kurzem konnte diese endlich besetzt werden. Im September konnten zum ersten Mal in diesem Jahr wieder Stolpersteine verlegt werden. Im November werden nochmals sieben Steine folgen „Nach diesen beiden Verlegungen sind von den erwähnten 250 Steinen also 30 abzuziehen – damit wird auch deutlich, wie viel Arbeit noch zu leisten ist, um den Stau weiter abzubauen“, sagt Marks.

Darum kümmert sich seit Neuestem Frau Renner im Heimatmuseum, so wie es ihre Vorgängerin Frau Emmerich auch getan hat. Die von der BVV beschlossene bezirkliche halbe Stolpersteinstelle werde auch aus organisatorischen Gründen dringend benötigt, damit der Bezirk ab 2016 die ihm jährlich zustehende Anzahl an Stolpersteinen verlegen kann und dabei auch die von Paten und Initiatoren nach umfangreichen Recherchen und langen Wartezeiten gewünschten Stolpersteine berücksichtigt werden können, erklärt Sigrun Marks.

Red. / Bild:Imago / Uwe Steinert

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