Mit Klax auf Augenhöhe

Antje Bostelmann verwirklicht mit Klax ihr Pädagogik-Kozept.

Seit nunmehr 25 Jahren setzt Antje Bostelmann, hier mit Enkelin Luise, erfolgreich und weit über Pankow hinaus ihr Konzept für eine neue Kita-Pädagogik um. Wichtiger als Luxus-Ausstattung ist ihr Respekt vor dem Kind.

CR_LVS_PA_SchwarzweissAntje Bostelmann hat den Kindergarten gehasst. Jeden Morgen hat die gebürtige Rostockerin fieberhaft nach Möglichkeiten gesucht, dort nicht hin zu müssen. Der vorgeschriebene Gleichtakt im DDR-Alltag war ihr schon als Kind ein Graus. „Dort wurde aufgegessen, zur selben Zeit geschlafen, in den Fluren hingen lange Schnüre mit A4 großen Blättern, auf denen viele unterschiedliche Kinder immer denselben Schneemannn gemalt hatten“, erinnert sie sich. Später aber erwuchs daraus ihre Überzeugung, „dass der Kindergarten so verändert werden muss, dass Kinder gern dort sind und sich als Menschen angenommen und gesehen fühlen“.

Kreativ spielen

Nach dem Abitur wurde sie Krippenerzieherin, arbeitete in einer Krippe, wurde Leiterin und studierte im Abendstudium Kunst an der Hochschule in Weißensee. Um der Gleichförmigkeit der Pädagogik im Osten etwas entgegenzusetzen, entwickelte sie mit Freunden die Idee von einem Haus, in dem Kinder lernen, sich selbst auszudrücken, kreativ zu spielen sowie Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Nach dem Fall der Berliner Mauer gab es keine Ausrede mehr. Schnell erkannte sie für sich: Der Westen war in Sachen Kindergartenpädagogik keine Alternative. „Es sollte ein Klacks sein, anders mit Kindern zusammen zu leben“, war sie überzeugt. Und ein Name war damit auch schon gefunden: Klax.

Abitur ab 2017

Antje Bostelmann eröffnete eine Malschule in der Kavalierstraße. In einer Zeit, wo Manches wegbrach, waren ihre kreativen Freizeitkurse wie Töpfern, Tanzen und Malen eine Marktlücke. Bald wünschten sich Eltern, dass ihre Kinder den ganzen Tag bei Klax bleiben könnten. Der Gründung eines Schülerladens folgte die Eröffnung einer Kinderkunstgalerie. Aus der Malschule wurde ein Unternehmen, als Klax ab Mitte der 1990er Jahre einst staatliche Kindergärten als freier Träger übernahm. Kindergärten in Brandenburg, Niedersachsen und Schweden, eine Grund- und Sekundarschule kamen hinzu, nun auch mit Oberstufe, in der 2017 erstmals das Abitur abgelegt wird. Antje Bostelmann ist nicht sauer, wenn über Klax gesagt wird: Dort lernt, wer anderswo nicht klarkommt! „Wir stehen dazu. Es ist doch etwas Tolles, auch Kinder zum Schulabschluss zu führen, die in der Pubertät oftmals anderes im Kopf haben.“ Nach Fachschule und Institut für Klax-Pädagogik steht nun ein Oberstufenzentrums für Sozialpädagogik auf der Agenda. Absolut nicht uneigennützig: Denn in Berlin fehlen rund 1.500 Fachkräfte in dieser Branche. Klax bildet also selbst die Erzieher aus, um eigenen Qualitätsansprüche gerecht zu werden. Auch Quereinsteigern wird dieser Weg geebnet. Klax beschäftigt inzwischen rund 500 Mitarbeiter und ist ein familiengeführtes Unternehmen. Neben Chefin Antje Bostelmann sind Sohn Ferdinand in der Kommunikations-Abteilung und Tochter Friderike als Leiterin der Berliner Kindergärten an Bord. So viel Nähe hat Vor- und Nachteile sagt die Klax-Gründerin. Vieles sei schnell und unkompliziert geklärt, andererseits gibt es auch kaum ein Problem, das nicht von der Arbeit mit ins Private wandere.

Eigene Wege

Nun feierte Klax sein 25-jähriges Bestehen. Für ihr Konzept, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, findet Bostelmann deutliche Worte: „Kinder sind weder Botschafter einer vermeintlich besseren Welt noch bilden sie die Zukunft ab. Sie sind nicht das Glück und die Erfüllung der Eltern und kein Rentenversprechen. Kinder sind Menschen, zuerst noch klein und unerfahren, schon bald aber in der Lage, eigene Wege zu gehen.“

Michael Hielscher / Bild: Klax/Heiko Mattschull / Bild: Privat

 

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