Schritt für Schritt ins zweite Leben

Gesundheit: Das P.A.N Zentrum wurde nach fünf Jahren Umbau wieder eröffnet.

Das Zentrum für Post-Akute Neurorehabilitation (P.A.N.) ist ein Ort der Hoffnung für Menschen, die nach einem Unfall oder Schlaganfall gewaltsam aus ihrem alten Leben gerissen wurden. Nach fünf Jahren Umbau feierte die Einrichtung in Frohnau ihre Neueröffnung. Auf 14.000 Quadratmetern ist in der Rauentaler Straße eine der modernsten neurologischen Reha-Einrichtungen Deutschlands für jüngere Menschen mit schweren Gehirnschäden entstanden. Das Besondere an der Einrichtung: Nach ihrer medizinischen Therapie können Patienten eine begrenzte Zeit dort wohnen.

Große Fortschritte

Jedes Jahr müssen bundesweit 270.000 Menschen nach Unfällen oder Schlaganfällen mit schweren Gehirnschäden behandelt werden. Häufig sind auch jüngere Menschen betroffen. Wie zum Beispiel Malte Bockhorst, der gerade einmal 20 Jahre alt war, als ein schwerer Autounfall vor vier Jahren sein Leben von einer Sekunde zur anderen veränderte. Als der BWL-Student aus dem Koma erwachte, konnte er seine Arme und Beine nicht mehr bewegen, nicht mehr sprechen und sein Erinnerungsvermögen war geschädigt. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma hatte dem jungen Mann die Kontrolle über seinen Körper und sein Leben genommen. Als die Therapie seinen Zustand nicht verbesserte, waren Stephan Bamborschke, Ärztlicher Leiter des P.A.N. Zentrums, und sein Team, Malte Bockhorsts letzte Hoffnung. Vor rund zwei Jahren zog er in die Einrichtung nach Frohnau und hat sich Schritt für Schritt wieder ins Leben zurückgekämpft. Mittlerweile kann Bockhorst wieder sprechen, sich bewegen, seine Erinnerung ist zum großen Teil zurück und er hat sogar wieder sein Studium aufgenommen.

Fachbereiche verbinden

Hinter diesen unglaublichen Fortschritten steht ein breit gefächertes Therapieangebot, welches motorische Fähigkeiten, Sprache und kognitive Funktionen trainiert. Die Rehabilitanten, deren Durchschnittsalter bei gerade einmal 42 Jahren liegt, sollen hier lernen, ihren Alltag weitgehend wieder selbstständig zu meistern. Bei dem Umbau wurden die Räumlichkeiten des Hauses so gestaltet, dass sie die Therapie positiv beeinflussen. Eine große lichtdurchflutete Halle, der Wohnbereich und Therapiezentrum verbindet, soll soziale Kontakte fördern, ein offener Sportbereich animiert jeden, sich zu bewegen. Alle, die das Haus nutzen, haben mitgeplant: Architekten, Therapeuten sowie Neurologen entwickelten das Raumkonzept gemeinsam mit den Menschen, die hier wieder ins Leben zurückfinden. Die Verbindung aus Architektur und Rehabilitation ist bundesweit einzigartig.

Geduld erfordert

Über 35 Millionen Euro wurden in den Umbau der Einrichtung investiert. Das Geld hat die Berliner Fürst Donnersmarck-Stiftung aus eigenen Mitteln aufgewendet. Die neuen Räume ermöglichen ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept. Stephan Bamborschke weiß: „Bis zur Genesung ist es ein weiter Weg.“ Durchschnittlich bleiben die Rekonvaleszenten 18 bis 24 Monate in der Einrichtung. „Und selbst dann ist der schwere Weg noch lange nicht zu Ende“, so der leitende Arzt.

Nabila Lalee / Bild: Allard van der Hoek

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