Stadt im Aufschwung

Wirtschaft: Der Berliner Unternehmensservice hat sich in fünf Jahren zum Erfolgsmodell entwickelt. Das zeigt auch eine Ausstellung.

Seit einem Jahrzehnt surft Berlin auf der Wachstumswelle. Das Bruttoinlandsprodukt expandierte zwischen 2005 und 2014 um 19,4 Prozent und damit weit schneller als bundesweit. Alle Branchen tragen zum Wachstum bei, wenn auch unterschiedlich stark. So stieg die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe in dieser Dekade um beachtliche zwölf Prozent; ein Höhenflug, welcher nur von dem 20-prozentigen Wachstum der Dienstleistungsbranchen überboten wird.

Aktive Unterstützung

CR_LVS_S2_ZitatbildUm den Aufschwung zu verstetigen, riefen die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technlogie und Forschung gemeinsam mit Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie vor fünf Jahren den Unternehmensservice in Leben. Mit Mitarbeitern, die sowohl bei Berlin Partner als auch in den Rathäusern der Bezirke sitzen, hat sich der Unternehmensservice auf die bereits in Berlin ansässigen Firmen spezialisiert. Berlin Partner hatte sich zuvor vor allem auf die Ansiedlung von Unternehmen konzentriert. Mit der Vor-Ort-Mission sollen die Serviceangebote des Landes den Betrieben, die am Standort wachsen möchten, aktiv zur Seite gestellt werden. Bilanz nach fünf Jahren: Mithilfe des Unternehmensservice haben Berliner Firmen 1,5 Milliarden Euro am Standort investiert und rund 13.600 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Wichtige Vernetzung

„Mit der Wirtschaftsförderung direkt vor Ort bieten wir den ansässigen Firmen Hilfe zum Anfassen an und stärken damit die Wurzeln der Berliner Wirtschaftskraft“, erklärte Wirtschafts-Staatssekretär Henner Bunde zum fünfjährigen Bestehen. Rund 1.600 Unternehmen werden vom Unternehmensservice betreut, der sich nicht nur als Problemlöser und Ratgeber versteht, sondern auch als Netzwerker mit Servicepartnern auf Bezirks- und Landesebene. Location, Talente und Förderung – nachgefragt werden von den expandierenden Unternehmen vor allem Leistungen rund um die klassischen Wachstumsfragen. „Aber auch das Thema Technologietransfer und die Vernetzung zur Wissenschaft und zur Startup-Szene werden immer wichtiger, um beispielsweise die Digitalisierung von Betrieben anzugehen“, erklärt Dr. Stefan Franzke, Sprecher der Geschäftsführung von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, „vor allem Unternehmen bis 250 Mitarbeiter nehmen den Unternehmensservice in Anspruch – hier werden über siebzig Prozent der Projekte umgesetzt. Der Unternehmensservice ist damit ein starkes Instrument, um den Berliner Mittelstand aktiv zu fördern.“

Künstlerische Berührung

Passend zu dieser Entwicklung kann noch bis 24. November die Ausstellung „Industrie findet Stadt“ im Foyer des Ludwig-Ehrard-Hauses in der Fasanenstraße besichtigt werden. Berliner Studierende und Auszubildende aus den Bereichen Kommunikation, Design und Fotografie haben sich in die Produktionsstätten von Berliner Industrieunternehmen begeben und zeigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Produkte, Werkhallen sowie Labore so, wie sie sie sehen: mal im Technostil, mal orchestral interpretiert, mal abstrahiert inszeniert. Ausgangspunkt des Projekts ist die Idee, die Berliner Industrie und das kreative Potenzial der Hauptstadt künstlerisch in Berührung zu bringen und damit zugleich auf die Bedeutung einer modernen, urbanverträglichen Industrie für den Standort Berlin hinzuweisen.

Unterstützte Unternehmen

KLERO GMBH

Der Experte für Roboterautomation aus Lichtenberg expandiert stark und vergrößert seine Betriebsfläche zurzeit von 100 auf 1.000 Quadratmeter. Der Unternehmensservice unterstützte KleRo unter anderem durch die Direktvergabe eines passenden Grundstücks. Für ABB entwickelte er einen Roboter, der im Schuhladen Solebox, Nürnberger Straße 14, die vom Kunden gewünschten Schuhe im Regal findet und übergibt und am Ende auch wieder einsortiert.

FLEXIM GMBH

Der 1990 gegründete Hersteller von Prozessmessgeräten für die Industrie mit Sitz in Marzahn-Hellersdorf wurde bei seinem Wachstum am Standort vom Unternehmensservice bei der Immobiliensuche, bei der Beantragung von Fördergeldern sowie beim Behörden- und Genehmigungsmanagement unterstützt. Mit allein 250 Mitarbeitern in Berlin hat das international agierende Unternehmen seine Mitarbeiterzahl in den letzten 5 Jahren fast verdoppelt.

KARL DIERINGER

Der Blechbearbeiter aus Steglitz-Zehlendorf fertigt innovative Außenfassaden, die beispielsweise den Besucherpavillon der Mauergedenkstätte in der Brnauer Straße (Foto) zieren. In einer wichtigen Expansionsphase unterstützte der Unternehmensservice Karl Dieringer bei dem Erwerb eines Grundstücks sowie bei der Beantragung von Fördermitteln. Durch die intensive Betreuung konnte eine Abwanderung nach Brandenburg verhindern.

Manfred Wolf / Bilder: be berlin (2), Mauer-Gedenkstätte, B. Funck, Svreemann-Kalle

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