Adventskalender der maroden Schulen

Bildung: Der Bezirkselternausschuss Steglitz-Zehlendorf deckt mit seiner Weihnachtsaktion viele Mängel auf.

Der Adventskalender, den der Bezirkselternausschuss (BEA) Steglitz Zehlendorf seit 2006 auf seiner Website veröffentlicht, sorgt sicher nicht bei allen für eine fröhliche Vorweihnachtszeit. Hinter jedem der 24 Türchen verstecken sich eine oder mehrere böse Überraschungen. Alle Schüler, Eltern und Lehrer sind aufgefordert, online Missstände an ihren Schulen zu dokumentieren: Schimmel an den Wänden, kaputte Möbel, marode sanitäre Anlagen. „Wir wollen mehr Geld für Schulgebäude“, erklärt Daniela von Treuenfels von der „Stiftung Bildung“, die den Adventskalender als ehemalige Vorsitzende des BEA mitkonzipiert hat, zu den Zielen der Aktion. Zwar hat es zuletzt 100 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm wachsende Stadt für sanierungsbedürftige Schulen gegeben, ein Erfolg, den von Treuenfels nicht zuletzt auf den öffentlichen Druck zurückführt, der mit dem „Adventskalender“ aufgebaut wurde.

Vorschläge erwünscht

Statt ständigen Sonderprogrammen fordert der BEA allerdings regelmäßige, nachhaltige Investitionen und will diese Forderung mit einer weiteren Auflage des Adventskalenders unterstreichen. „Wir nehmen auch im Dezember noch Vorschläge entgegen. Dann stecken wir eben mehrere Missstände an einem Tag hinter ein Türchen“, meint Daniela von Treuenfels. An erschreckenden Beispielen mangelt es bereits jetzt nicht. So verbirgt sich hinter einem der Türchen eine Schule, in deren Klassenräumen Efeu und Knöterich wächst. Besonders schockierend ist der Fall der Steglitzer Fichtenberg-Oberschule: Putz fiel von der Außenfassade, Fenster stürzten herab und dem Schuldirektor krachten Deckenplatten auf den Schreibtisch. In den Naturwissenschaftsräumen über seinem Büro war Wasser aus kaputten Rohren gesprudelt. Die Räume wurden für 300.000 Euro saniert.

Politik verantwortlich

„Es bewegt sich immer erst etwas, wenn die Situation akut oder etwas passiert ist“, ärgert sich Daniela von Treuenfels. Oft werde aber nicht einmal mit baulichen Maßnahmen, sondern schlicht mit Sperrungen reagiert. Die ehemalige BEA-Vorsitzende sieht dabei die Politik in der Verantwortung – und zwar auf allen Ebenen. „Die Probleme basieren auf einer Mischung aus den Sparzwängen des Senats und der Prioritätensetzung in den Bezirksämtern“, meint sie. Schon in der Ära des Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) seien „die Daumenschrauben so eng angezogen worden, dass vernünftige Instandhaltung nicht mehr möglich ist.“ Das gelte dabei nicht nur für die Schulen.

Philip Aubreville / Bild: Karin Retzke

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