Hollywood an der Havel

Kino: Steven Spielbergs Agenten-Thriller „Bridge of Spies“ zeigt das Berlin des Kalten Krieges.

Steven Spielbergs Agenten-Thriller „Bridge of Spies“ mit Tom Hanks zeigt das Berlin des Kalten Krieges – auch an den Originalschauplätzen. Im Fokus: die Glienicker Brücke. Sie wurde als Brücke der Spione weltberühmt.

Sie verbindet über die Havel hinweg Berlin und Potsdam: Die Glienicker Brücke. Berühmt wurde sie aber nicht wegen ihrer imposanten Stahlkonstruktion, sondern als die Brücke der Spione. Zu Zeiten des Kalten Krieges wurden hier Agenten zwischen Ost und West ausgetauscht. Zum Beispiel der US-Pilot Gary Powers, der über Russland abgeschossen und 1962 auf der Glienicker Brücke gegen den KGB-Spion Rudolf Abel ausgetauscht wurde. Diese Geschichte hat Oscar-Regisseur Steven Spielberg für den Hollywoodstreifen „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ verfilmt, der jetzt in deutschen Kinos anlief.

Düstere Hauptrolle

Pressekonferenz zu „Bridge of Spies“ mit den Protagonisten.

Pressekonferenz zu „Bridge of Spies“
mit den Protagonisten.

Der New Yorker Anwalt James Donovan (gespielt von Hollywood-Star Tom Hanks) wird vom US-Geheimdienst CIA beauftragt, die Freilassung des Piloten Powers mit den Russen zu verhandeln und in das dramatische politische Geschehen jener Zeit verwickelt. Das geteilte Berlin spielt in dem Agenten-Thriller eine düstere Hauptrolle mit dunklen und gespenstischen Bildern. „Ostberlin sollte in dem Film so beklemmend aussehen, wie es sich für die Menschen, die damals verfolgt wurden, darstellte“, sagt Spielberg dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Viele der entsprechenden Szenen habe man im polnischen Breslau gedreht, das mit seinen Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg in den Fassaden auch heute noch eine perfekte Kulisse für das Nachkriegs-Berlin abgibt. Die Mitarbeiter der Filmstudios Babelsberg, die als ausführender Produzent für die Dekorationen zuständig waren, griffen aber durchaus auch auf das echte Berlin der Gegenwart zurück. Die jeweiligen Drehorte mussten dabei aber nicht immer mit den Originalschauplätzen übereinstimmen: Während etwa das ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen im Film als Fassade für die berüchtigte Haftanstalt Lubjanka in Moskau genutzt wurde, wird das Gleisdreieck in „Bridge of Spies“ zum Grenzübergang Friedrichstraße und die Außenfassade der Humboldt-Universität in Mitte zur sowjetischen Botschaft. Gelegentlich drehte Spielberg aber doch dort, wo sich die von ihm erzählten historischen Ereignisse tatsächlich abspielten. Wenn Tom Hanks in seiner Rolle als James Donovan über den Flughafen Tempelhof in Berlin einreist, können Zuschauer das nostalgisch umdekorierte Gebäude im Hintergrund erkennen. Und über die Dreharbeiten an der kurzfristig mit DDR-Symbolik und Stacheldraht ausstaffierten Glienicker Brücke zeigte sich Spielberg besonders froh – dort habe man nur dank der Unterstützung der deutschen Behörden arbeiten können.

Bundeskanzlerin zu Besuch

Die Freude dürfte dabei auf Gegenseitigkeit beruhen. Zwar erhielten der Bund, der Bezirk und die Stadt Potsdam nur 10.500 Euro dafür, dass die Brücke während der Dreharbeiten drei Nächte lang gesperrt war. Doch der Image-Gewinn dürfte um ein Vielfaches größer sein. Kein Wunder, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel den Dreharbeiten einen Besuch abstattete und sich mit den anwesenden Hollywood-Größen ablichten ließ.

Philip Aubreville / Bilder: © 2015 Twentieth Century Fox.

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