Was bleibt, wenn wir gehen

Ausstellung: „Lothars Wohnung“ in der Galerie im Tempelhof Museum.

Mit der Ausstellung „Lothars Wohnung“ will der Künstler Christoph Schieder zwei Themen aufwerfen: Zum einen die Frage, was von einem Leben bleibt, wenn es vorbei ist, zum anderen die zugleich aktuelle Frage der Gentrifizierung. Schieder zeigt mit „Lothars Wohnung“ den Neuköllner Lebensraum seines verstorbenen Schwiegervaters und die Veränderung des Ortes nach dessen Tod. Die Veröffentlichung der Serie auf Christoph Schieders Blog erzielte im Dezember 2014, vorrangig über sein Facebook-Profil, einen Ansturm von über 100.000 Seiten-Besuchen binnen einer Woche. Nun ist seine Arbeit in einer Ausstellung bis zum 10. Januar in der Galerie im Tempelhof Museum, Alt-Mariendorf 43, zu sehen. Am 1. Januar letzten Jahres starb Lothar. Sein Haushalt wurde aufgelöst, die Wohnung saniert. Christoph Schieder sollte eigentlich nur kurz ein paar Fotos des renovierten Zustands der Wohnung seines Schwiegervaters machen – für die Handwerker, für die Suche nach einem Mieter. Es wurden mehrere Tage daraus, in denen er die Fotos, die er dort gemacht hatte, als Lothar lebte, noch einmal wiederholte – das Objektiv gerichtet auf die nicht mehr vorhandenen Motive der Vergangenheit. Christoph Schieder setzt sich fotografierend mit seiner Umwelt auseinander, um das Dargestellte dem Vergessen zu entreißen – selbst wenn das in Anbetracht der Endlichkeit der menschlichen Lebenswelt eine Illusion zu sein scheint. Christoph Schieder, geboren 1968 in Köln, ist einer der letzten Meisterschüler des legendären Fotografen Arno Fischer. Er lebt seit 2004 als freier Fotograf und Grafiker in Berlin. Nach der erfolgreichen Ausstellung “Siehste jeht doch” im Haus am Kleistpark im Jahr 2013 zeigt er nun sein Projekt „Lothars Wohnung – Was bleibt, wenn wir gehen“ in der Galerie im Tempelhof Museum. Das gleichnamige Buch zum Projekt erscheint in der chrismon edition.

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr, Freitag von 10 bis 14 Uhr, Sonntag 11 bis 15 Uhr, Eintritt frei.

sara / Bilder: Christoph Schieder

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