Zoo Berlin stellt sich seiner NS-Vergangenheit

Geschichte: Gesamtpaket zum künftigen Gedenken präsentiert.

Der Zoo Berlin will sich im kommenden Jahr weiter und aktiver mit seiner NS-Vergangenheit auseinandersetzen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit unter anderem in Form einer Ausstellung präsentieren. Auslöser dafür ist das zu Jahresanfang erschienene Buch „Die jüdischen Aktionäre des Zoologischen Gartens zu Berlin – Namen und Schicksale“ von der Antisemitismus-Forscherin Monika Schmidt.

Große Betroffenheit

In ihrem Buch, das von der Zoologischen Garten Berlin AG, dem Verein der Freunde und Förderer des Zoologischen Garten Berlins und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert worden und im Handel und den Zoo-Shops erhältlich ist, befasst sich die Autorin mit den Schicksalen der jüdischen Aktionäre und ihrer Familien, die rund ein Drittel der 4000 Aktien besaßen. Im Jahre 1933 setzten der Ausschluss der jüdischen Zoo-Aktionäre aus dem Berliner Zoo ein. Sie wurden gezwungen, ihre Aktien unter Wert zu verkaufen, der Zoo begann mit der „Arisierung“ seiner Aktien. Sowohl das Buch als auch die Online-Petition „Keine Ehrung für Nazi-Zoodirektor“ haben beim Aufsichtsrat des Berliner Zoos große Betroffenheit ausgelöst und Anlass gegeben, ein Gesamtpaket zu verabschieden und gedenkende Zeichen zu setzen. Dieses wurde am Montag präsentiert. Eine dauerhafte und multimediale Ausstellung soll Ende 2016 im Antilopenhaus eröffnet und die 171-jährige Geschichte des Tiergartens und seine NS-Vergangenheit beleuchten. „Der Zoo ist ein Teil der Berliner Kulturgeschichte und ein Kind seiner Zeit, im Guten wie im Schlechten“, sagt der Historiker Dr. Clemens Maier-Wolthausen, der die Ausstellung kuratiert.

Austausch geplant

„Wir wollen einen Blick in die Vergangenheit und die Zukunft zulassen“, sagt Zoodirektor Dr. Andreas Knieriem. „Wir haben die letzten Monate genutzt und mit Hilfe von Historikern festgestellt, dass es noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, die Geschichte der Zoo AG im Nationalsozialismus mit der notwendigen Sorgfalt aufzuarbeiten. Wir verurteilen die Haltung der Zooleitung während der NS-Zeit und sehen es als unsere Pflicht an, unsere Zoogäste mit der geplanten Ausstellung auch über dieses traurige Kapitel der Zoogeschichte ausführlich und umfassend zu informieren“, so Knieriem weiter. Außerdem ist ein Fellowship-Programm „zur Stärkung des wissenschaftlichen Austausches zwischen Israel und Deutschland mit den Kooperationspartnern der Freien Universität Berlin und der Hebrew University of Jerusalem geplant“, verkündete Zoo-Aufsichtsratsvorsitzender Frank Bruckmann. Rund 200.000 Euro werden für 20 Stipendien in den nächsten fünf Jahren bereitgestellt. Die ersten Stipendiaten werden bereits im kommenden Jahr erwartet. Die Online-Petition „Keine Ehrung für Nazi-Zoodirektor“, die von September bis Ende November lief, und sich gegen die Büste des ehemaligen Zoodirektors Lutz Heck im Zoo richtet, werde ernst genommen. „Es waren nur wenige Unterschriften, aber diese reichen aus“, sagt Knieriem, der Verständnis für das Petitionsanliegen hat. So werde zunächst vor der Büste eine Hinweistafel montiert, die Besucher über Hecks NS-Vergangenheit informiert.

Titelfoto: Zoo-Direktor Dr. Andreas Knieriem, Aufsichtsratsvorsitzender Frank Bruckmann und Historiker Dr. Clemens Maier-Wolthausen

Michaela Bavand / Bild:Michaela Bavandi

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