Unterschriften für die Gasbeleuchtung

Initiative: Bürgerverein wendet sich hilfesuchend an BVV.

Reinickendorf soll sein warmes Licht behalten. Mit einem Antrag in der BVV hat der Bürgerverein in der Gartenstadt Frohnau den Bezirk dazu aufgefordert, sich beim Senat für einen Erhalt der Gaslaternen einzusetzen. Voraussetzung für den Einwohnerantrag war eine nachweisliche Unterstützung der Reinickendorfer für das Anliegen – mindestens 1.000 Unterschriften für den Erhalt der Gaslaternen hatte das Bezirksamt gefordert. Diese konnte der Bürgerverein erfolgreich sammeln und sich somit hilfesuchend an die BVV wenden.

Vertrautes Element

„Berlin besitzt mit seiner Vielfalt an historischen Gaslaternen ein Alleinstellungsmerkmal“, heißt es in dem Antrag. Besonders im Bezirk seien sie prägend für die Landschaft. „Die Gasbeleuchtung in Reinickendorf hat ortsteilabhängig einen Anteil von bis zu 80 Prozent an der Straßenbeleuchtung und stellt somit ein überragendes und den Menschen seit langem vertrautes Element im Straßenbild dar.“ Das gelte insbesondere für die Ortsteile Frohnau, Hermsdorf und Waidmannslust, die nahezu vollständig gasbeleuchtet seien. Darüber hinaus habe die Gasbeleuchtung viele Vorteile, sie sei langlebig und umweltschonend da insektenfreundlich und trage außerdem nicht zur Lichtverschmutzung bei. Der Senat plant, die Gaslichtgebiete nahezu flächendeckend mit elektrischem Licht auszustatten. Dieses würde, so lautet die Begründung des Vereins, den Bezirk nachhaltig verändern und von den Anwohnern als störend empfunden werden. Die Pläne des Senats würden zudem gegen den Denkmalschutz verstoßen. Zahlreiche Flächendenkmale in Reinickendorf würden durch das Gaslicht entscheidend geprägt. Eine sogenannte Erhaltungssatzung von 1997 schließe bauliche Eingriffe, die das Stadtbild verändern, aus. Der Austausch der Gasleuchten gegen LED-Leuchten ist Teil des umweltpolitischen Ziel des Senats, den Energieverbrauch der Straßenbeleuchtungsanlagen bis Ende Jahres 2018 um 30 bis 50 Prozent zu reduzieren. Neben einem höheren Energieverbrauch spreche auch die höhere Störanfälligkeit gegen die Gasbeleuchtung, begründet der Senat. Für deren Instandhaltung seien spezielle, nur in relativ kleiner Stückzahl produzierte und damit teure Ersatzteile erforderlich.

Keine Kulturpflege

Christian Mey, Pressesprecher des Bürgervereins, hält allerdings dagegen, dass die Gasbeleuchtung insgesamt dennoch viermal so lange halten würde wie Elektrolampen. Zudem sei in der Vergangenheit bereits zu beobachten gewesen, dass der Senat an manchen Stellen nicht nur die Beleuchtung, sondern auch die historischen Masten entfernt habe. Um Aspekte der Stadtbildpflege oder kultur-historische Belange ginge es dabei nicht. Die Berliner Straßenbeleuchtung solle einfach nur möglichst lukrativ gemacht werden, wie der Bürgerverein kritisch anmerkt.

Nabila Lalee / Bild: thinktsock/istockphoto

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