Nächstenliebe ganz praktisch

Für Mittel- und Obdachlose stellt die Bahnhofsmisson am Zoo nun Räume mit kostenlosen Duschen, Toiletten und Waschmaschien zur Verfügung. Die Stadt Berlin, die Deutsche Bahn und die Berliner Stadtmission machen es möglich.

„Was ist Luxus?“, als Stadtmissionsdirektor Pfarrer Joachim Lenz diese Frage zum ersten Mal hörte, hatte er spontan geantwortet: „Morgens warm duschen.“ Dann hat er darüber nachgedacht und fand eine andere Antwort: „Nein, das sollte selbstverständlich sein. Menschenwürde beginnt mit einem Klo und einer Dusche“. Auch für Mittellose, Krisenverlierer, Gestrandete. Für sie stellt die Bahnhofsmission am Zoo in der Jebenstraße ab sofort täglich von 10 bis 18 Uhr Räume mit kostenlosen Duschen, Toiletten und Waschmaschine zur Verfügung. Auch einen Friseursalon wird es geben, „Salon Franziska“. Die Stadt Berlin, die Deutsche Bahn und die Berliner Stadtmission machen es möglich.

Dauerhaft finanziert

Bahnchef Rüdiger Grube zeigte Herz nicht nur für die Menschen, sondern auch deren Lieblinge

Dafür baute die Bahn eigene Service- und Lagerräume für 300.000 Euro um und stellt sie mietfrei zur Verfügung. Außerdem übernimmt sie die jährlichen Kosten von 40.000 Euro für Energie und Warmwasser. Der Senat für Gesundheit und Soziales zahlt 150.000 Euro pro Jahr für den weiteren Unterhalt, zum Beispiel für die externe Reinigungsfirma. Die Bahnhofsmisson an sich finanziert die Stadtmission. Es ist kein vorübergehendes Projekt, ein Ende der Finanzierung ist nicht vorgesehen. Es soll selbstverständlich werden.

So alltäglich wie die Hilfe durch Bahnhofsmissionen seit 121 Jahren. Verglichen mit den anderen 106 Bahnhofsmissionen in Deutschland „ist Berlin die Metropole der Obdachlosen“, sagt der Chef der Deutschen Bahn, Dr. Rüdiger Grube. Laut Dieter Puhl, dem Leiter dieser evangelischen Einrichtung am Zoo, kommen täglich mehrere Hundert Hilfebedürftige. „Menschen, die von allem nichts haben. Deren Leben Kampf ist.“ Die hier seit vielen Jahren täglich mit warmen Mahlzeiten, Zuwendung, Kleidung und Schlafsäcken versorgt werden.

Sanitäranlagen fehlten

Die sanitäre Anlagen fehlten jedoch und die Haupt- und Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission konnten nur auf andere Waschorte verweisen. Auch Orte, in denen Duschen sieben Euro kostet.

Auch damit musste Christine B. (59) umzugehen lernen. Seit drei Jahren lebt sie auf der Straße und ist oft hier, alle nennen sie Blümchen. Sie sagt von sich selbst, dass sie „einen Reinlichkeitsfimmel“ hat. Gewaschen hat sie sich bis jetzt in Toiletten, in einer Aufnahmestelle in der Franklinstraße oder auch am Wasserklops auf dem Breitscheidplatz, nachts, wenn keiner da ist. Sie wird „wahrscheinlich täglich kommen, besonders in der Winterzeit“. Sich nicht mehr mit Feuchttüchern waschen müssen. Für Cheyenne (49) mit ihrem Hund Rico ist die kostenlose Toilette noch wichtiger. Und dass sie bei Regenwetter nicht mehr nass dabei wird. Sie findet „unbeobachtet auf die Toilette gehen zu können, das ist auch Menschenwürde“. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, ist eingeladen dabeizusein. Auch am Haupt- und am Ostbahnhof gibt es Bahnhofmissionen. Und in vielen anderen sozialen Einrichtungen in Berlin freuen sich Menschen über Hilfe. Damit Selbstverständliches kein Luxus wird.

Christina Praus / Bilder: Jet-Foto, Berlin, Kranert

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