Wiesenburg komplett gesperrt

Historisches Gebäude: Künstler und Gewerbetreibende verlieren Existenzgrundlage.

Sieht nicht sehr vertrauenserweckend aus

Nun ist erst einmal alles dicht in der Wiesenburg! Bis auf das Wohnhaus sind alle anderen Gebäudeteile von der Degewo gesperrt worden. Begründet wird dieser Schritt in einem Brief vom 26. November. Darin heißt es unter anderem, dass bei „einem Einsturz der Kappendecken in ungesicherten Bereichen“ mit einem Dominoeffekt zu rechnen sei, „der auch zu einer Einsturzgefährdung im bisher gesicherten Bereich führen würde.“ Darüber sei die Degewo nach diversen Untersuchungen und Begehungen informiert worden. Geradezu bestürzt ob dieser Art von Fürsorglichkeit sind die in der Wiesenburg ansässigen Künstlern und Gewerbetreibenden. Haben sie doch quasi über Nacht ihre Existenzgrundlage verloren. So wie Choreografin Isabelle Schad, deren auch mit Fördermitteln von Land und EU saniertes Tanzstudio jetzt genau so gesperrt ist wie das Studio X des Toningenieurs Dirk Feistl.

Soziale Aktivitäten

Für Robert Bittner vom Verein Die Wiesenburger ist klar, dass mit diesem Schritt „die Wiesenburg tot gemacht werden soll“, wie er in einem Interview mit dem RBB-Fernsehen erklärte. Offensichtlich wolle die Degewo, „dass hier keine kulturellen Veranstaltungen mehr stattfinden, dass die Künstler, mit denen eigentlich geplant war, das Gelände weiter zu entwickeln, außen vor bleiben, weil sie einfach nicht mehr da sind.“ Für die Mieter und Bewohner der Wiesenburg scheint sich damit der Verdacht zu bestätigen, dass die Degewo, der die Wiesenburg seit gut einem Jahr gehört, von Anfang an nicht vorhatte, das Gelände als Ort von Kreativität und nachbarschaftlichem Miteinander zu erhalten. In einer Erklärung des Wohnungsunternehmens vom 2. April dieses Jahres hieß es zwar, dass niemand seine Wohnung verlassen müsse und die Ateliers bleiben. Dieser Aussage lag ein baustatisches Gutachten zugrunde, das die Degewo zwang, einzelne Grundstücksflächen tatsächlich absperren zu lassen. Bis auf ein Atelier waren alle anderen Nutzungsflächen davon nicht betroffen. Man wolle, so hieß es in der Erklärung, „den historischen Ort vor dem weiteren Verfall bewahren und für nachbarschaftliche und soziale Aktivitäten im Quartier öffnen.“ Mal abgesehen davon, dass „nachbarschaftliche und soziale Aktivitäten“ in der Wiesenburg längst Alltag gewesen sind, durften die Nutzer fest davon ausgehen, dass gemeinsam mit ihnen an Lösungen gearbeitet werde, die die weitere Nutzung ermöglicht. Dass das Gelände nun komplett gesperrt wurde, damit konnte angesichts dieses Versprechens nun wirklich niemand rechnen.

Abriss unumgänglich

Das wirklich Schlimme an der Geschichte ist, dass die Degewo sich nicht in die Karten schauen lässt. So erklärte zwar deren Sprecher, Lutz Ackermann, „dass dort weiterhin Flächen für nachbarschaftliche Aktivitäten, für Wohnen, aber auch für Gewerbe und Kunst bestehen werden“, er aber noch nicht sagen könne, wie genau das aussehen und vor allem wann das umgesetzt werde. Den – jetzt – ehemaligen Mietern der Wiesenburg jedenfalls wolle die Degewo helfen, Ersatzräumlichkeiten zu finden. Mit dieser Art Entmietung, so ein nicht genannt sein wollender Nutzer, sorge die Degewo zum einen für Leerstand und zum anderen durch die Komplettabsperrung für das Maß an Verwahrlosung der verbliebenen Gebäude, welche in ein paar Jahren einen Abriss unumgänglich werden lässt.

Ulf Teichert / Bilder: degewo

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