Die U5 wird zur Kunststrecke

In Kaulsdorf Nord überwintern jetzt Balkonpflanzen.

Mit Kunstprojekten, die sich auch an aktuellen politischen Diskussionen orientieren, werden die U5-Bahnstationen ab Tierpark in Richtung Hönow mit sehenswerten Kunstprojekten ausstaffiert. Also bitte nicht wundern, wenn im Bahnhof Kaulsdorf Nord jetzt Topfblumen sprießen.

Die U 5 wird immer mehr zur Kunstlinie: Nachdem das Projekt „Was ist draußen“ entlang der Strecke zwischen Tierpark und Hönow mit verschiedenen Werken den rasanten Wandel Berlins thematisiert, wird jetzt auch der U-Bahnof Kaulsdorf Nord zum Kunstobjekt. Hier hat die Gruppe „Kunst im Untergrund“ die „station urbaner kulturen“ eingerichtet, in der von Donnerstag bis Sonnabend zwischen 15 und 19 Uhr Balkon- oder Kübelpflanzen zum Überwintern abgegeben werden können. „Draußen würden die Pflanzen erfrieren und in den Wohnungen, im Treppenhaus oder im Keller ist häufig kein Platz“, sagt Adam Page, Mitglied der Künstlergruppe. Durch die extremen Mietsteigerungen könnten sich viele junge Menschen in Berlin keine eigene Wohnung mehr leisten und würden länger bei ihren Eltern leben. Deshalb werde es in den Wohnungen immer enger. „Unsere Winterstation soll auf diese Wohnraumknappheit aufmerksam machen“, so Page.

Sogar praktisch

Eine Wandzeitung mit solchen Motiven kann auch im Rahmen der Kunstaktionen erworben werden.

Eine Wandzeitung mit solchen Motiven kann auch im Rahmen der Kunstaktionen erworben werden.

Zugleich solle aufgezeigt werden, wie man Raumressourcen effizient nutzen kann. Durch einen Raumteiler wurde im Bahnhof Kaulsdorf Nord ein Ausstellungsraum und Platz für die Balkonpflanzen der Nachbarschaft geschaffen. Mehrere Pflanzen und zwei kleine Bäume haben in der „station urbaner kulturen“ bereits ihr Winterquartier gefunden. Der ungewöhnliche Service für die Anwohner fügt sich dabei in das Gesamtkonzept des Projektes „Was ist draußen“ ein, das sich dem Dialog zwischen Künstlern und Anwohnern verschrieben hat: Im Frühjahr lud etwa der Künstler Mirko Winkel zum „Hellersdorf Workout“ am Cecilienplatz ein, um mit den Kiez-Bewohnern ein Körpertraining zu absolvieren, das den dortigen Bedingungen angepasst wurde. Und die „Hellersdorfer Tapete“, die gemeinsam mit Institutionen und Anwohnern vor Ort entwickelt wurde, kann nach wie vor an den U-Bahnhöfen zwischen Hönow und Kaulsdorf-Nord bewundert werden.

Auch käuflich

Die Wandzeitung mit Motiven der für Hellersdorf typischen Gebäudeformationen über einem Netz aus Fußwegen durch Grünflächen oder Nachtaufnahmen von diesen Grünflächen kann mittlerweile auch in der „station urbaner kulturen“ erworben werden. Daneben sind weitere Kunstaktionen geplant. „Wir möchten ab dem Frühjahr einige Gärten ohne Grenze auf einer Freifläche in Hellersdorf gemeinsam mit den Anwohnern initiieren“, kündigt Adam Page an. Über den Standort und den Inhalt der Gärten verhandele die Künstlergruppe zur Zeit mit Senat und Bezirk.

Philip Aubreville / Bild 1: Bild: AG Hellersdorfer Illustrierte, 2015/  Bild 2: AG Kunst im Untergrund, 2015

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