Mit 66 fängt der Abschied erst an

Ausbildung: Chef des ABB Trainings Centers Wilhelmsruh praktiziert die „Wissensstafette“ mit seinem Nachfolger.

Familienbetriebe leben davon, Fachwissen und Fertigkeiten von Generation zu Generation weiterzugeben. Längst aber sind auch Konzerne wie ABB darauf angewiesen. Angesichts des demografischen Wandels wird das kontinuierliche Vermitteln und Bewahren des Know-hows älterer erfahrener Beschäftigter an junge Kollegen immer bedeutsamer. Vor etwa drei Jahren startete deshalb bei ABB der Senior Expert Service, so auch am Standort Pankow-Wilhelmsruh. Ehemalige Beschäftigte in Rente unterstützen und beraten, zeitlich befristet, nicht länger als ein halbes Jahr. Die jüngeren Mitarbeiter profitieren vom reichhaltigen Erfahrungsschatz der „alten Hasen“. Zugleich können die Senior Experts zum Überbrücken kurz- bis mittelfristiger Personalengpässe beitragen, die beispielsweise durch Sabbaticals oder die Inanspruchnahme von Familienpflegezeit der Jüngeren entstehen. Auch Bernhard Antmann könnte mit seinen 66 Jahren längst den Ruhestand genießen. Daran aber denkt der im April 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrte „Mister ABB Training Center Berlin“ noch überhaupt nicht. Mit Beginn des Ausbildungsjahres 2016/17 soll das erweiterte Ausbildungszentrum seinen Betrieb aufnehmen. So lange will Antmann noch seine Position ausfüllen – dann hätte er auch die 50 Jahre im Unternehmen voll. Danach übernimmt Nachfolger Gerd Woweries (53) das Ruder. Doch Lotse Antmann geht damit längst nicht von Bord. Bis Mai 2017 mindestens, so ist ausgemacht, kümmert er sich weiter um den Papierkram.

Dreieinhalb Jahre wird er dann den Umbauprozess des einstigen Kulturhauses, zuletzt Bomanti-Eventhalle genannt, begleitet und verwaltet haben. 15 Millionen Euro Fördergelder fließen in das denkmalgeschützte Gebäude. Antmann, gut vernetzt in der Berliner Wirtschaft und Politik, überzeugte alle von dem Projekt – auch den eigenen Vorstand. Längst ist ein weiterer Neubau geplant. Noch im Dezember wird der Förderbescheid über rund vier Millionen Euro dafür erwartet. Auch ein Kantinenbetrieb ist vorgesehen. Als Betreiber ist die Nordberliner Werkgemeinschaft, eine anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen, im Gespräch.

Reibungslose Übergabe

Das ABB Ausbildungszentrum Berlin versteht sich als Bildungsdienstleister und bietet 16 Berufe an. Insgesamt bildet ABB derzeit 650 Jugendliche im Wilhelmsruher PankowPark aus. Ab nächsten Herbst können dort bis zu 800 Azubis einen Platz erhalten. Antmann liegt die weitere positive Entwicklung „seines“ Ausbildungszentrums so sehr am Herzen, dass er sich frühzeitig darum gekümmert hat, den Übergang zu seinem Nachfolger so reibungslos wie möglich zu gestalten. So führt Antmann bereits seit Mai das Ausbildungszentrum gemeinsam mit Gerd Woweries. Möglich macht dieses ungewöhnliche Vorgehen die Personalpolitik seines Arbeitgebers. ABB hat nämlich mit der Initiative „Wissensstafette“ die Rahmenbedingungen geschaffen, die eine Weitergabe und Weiterentwicklung von Wissen erleichtert. Von Wissengeber und -nehmer ist dabei die Rede.

Antmann erlernte einst den Beruf des Drehers, studierte in Görlitz und Berlin Maschinenbau, eher er zum Ausbilder bei Bergmann-Borsig avancierte. Woweries studierte Jura an der Humboldt-Uni, arbeitete in Rechtsabteilungen der IHK Frankfurt/Oder und Berlin und leitete schließlich acht Jahre den Bereich Ausbildung bei der IHK Berlin. Schon zu dieser Zeit habe ihn das Ausbildungskonzept bei ABB beeindruckt. Die Vermittlung von Werten wie Pünktlichkeit, Genauigkeit, Verantwortung, aber auch Offenheit seien auffallend. Antmann stimmt zu: „Ja, wir sind hier schon etwas Besonderes!“ Auch in der Freizeit funken die beiden auf einer Wellenlänge. Denn sie lieben es sportlich: Antmann kickt seit 25 Jahren in der SG Bergmann-Borsig. Woweries war einst Judoka im Leistungszentrum Hoppegarten. Aufs Kreuz legen lässt sich der Mann also so schnell von niemandem.

Michael Hielscher / Bild: ABB

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