Ideen aus dem Kindergarten

Heikonaut: Der ganz besondere Kreativraum in einer ehemaligen Friedrichsfelder Kita.

Als vor rund neun Jahren Christian Lagé, Steffen Schuhmann und Axel Watzke ihre neuen Geschäftsräume in der Lichtenberger Sewanstraße mit ihrer Kreativagentur „anschlaege“ bezogen, war das selbst für Berliner Verhältnisse eine Standortentscheidung mit ganz besonderem Charakter. In der Hoch-Zeit der Loft-Studios am Kollwitzplatz, den Shop-Offices im Boxi-Kiez und den exklusiven Kreativ-Etagen am Hackeschen Markt gab es für Raumangebote in Lichtenberg bestenfalls irritiertes Lächeln in der Berliner Künstler- und Designerszene. „Lichtenberg war damals der meist unterschätzte Bezirk, hatte aber viele freistehende Flächen. „Plattenbau und Stasiladen“ lauteten die gängigsten Assoziationen damals“, erinnert sich Alexander Watzke, einer der „anschläge“-Chefs. Damals wechselte das Team mit mehr oder weniger sechs Leuten aus einem Ladenlokal in die ehemaligen Räume der Lichtenberger Kita in der Sewanstraße. „Am Anfang haben wir hier noch gemietet – seit rund zwei Jahren gehört uns das Haus“, erläutert Watzke. Ein Viertel der Fläche belegt seine Agentur Anschläge nun selbst – der Rest ist an andere Freelancer und Agenturen vermietet. „anschläge“ setzt Projekte für Museen und Theater um. „Wir haben ein Kernteam von bis zu zwölf Leuten. Wenn wir größere Projekte übernehmen, müssen wir personell aufstocken und Aufgaben auch an Freelancer vergeben. Da bietet es sich natürlich an, auf Spezialisten zurückzugreifen, die es hier im Haus gibt“, erläutert Watzke. Fotografen, Schriftsteller, Grafiker, Journalisten und Typographen haben hier ihre Räume, in denen sie ihre Projekte ausarbeiten und umsetzen können. „Selbst in den Phasen, in denen wir nicht an denselben Projekten arbeiten, gibt es reichlich Möglichkeiten, um sich thematisch oder fachlich auszutauschen. Allein die gemeinsame Nutzung der technischen Ausstattung führt die Leute hier zusammen“, so Watzke.

Neue Arbeitsmodelle

Senatorin Dilek Kolat ist in Begleitung des Lichtenberger SPD-Abgeordneten Költzsch an diesem Tag zu Besuch und will mehr erfahren über die Möglichkeiten, die das Kooperationsmodell im Heikonaut-Haus ermöglicht. Stefan Schuhmann, Professor an der Kunsthochschule in Weißensee und einer der Geschäftsführer präsentiert den beiden Politikern dazu exemplarisch einen Ausstellungskatalog, der für ein Londoner Event in Zusammenarbeit mit einem Modelabel im Haus gestaltet wurde. Die Idee zu einer textilen Umschlaggestaltung wurde beim gemeinsamen Mittagessen gefunden. „Eine attraktive und kostengünstige Lösung, auf die wir so als Grafikdesigner nie gekommen wären“, räumt der Professor für visuelle Kommunikation ein.
Gemeinsame Aktionen. Montags bis donnerstags kommt ein Koch und sorgt für gemeinsame Mittagsmahlzeiten. „Das Mittagsssen ist eine Institution im Haus, bei der auch eine Menge Know-how-Transfer stattfindet“, erläutert Watzke. Andere gemeinsame Events sind die Gartenpflegeaktionen mit allen Mietern des Hauses bishin zur selbst inszenierten Aufführung der Weihnachtsgeschichte in der Adventszeit. Diese kleine Erinnerung an die ursprüngliche Nutzung des Hauses reiht sich schließlich auch in die Reihe anderer Feiern und Events ein, die von den Nutzern gemeinsam organisiert werden. „Die Verantwortung für unser Haus wollen wir bewusst hochhalten, schließlich sollen nicht nur unsere Projekte und Produkte, sondern auch unser eigener Ort weiter entwickelt werden“, so Schumann. Eine Idee, die auch die Arbeitssenatorin beeindruckt und deren Umsetzung sie bis dato nicht unbedingt im Friedrichsfelder Plattenbau-Kiez vermutet hätte.

Text und  Bild: Stefan Bartylla

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