Gebt Diskriminierung keine Chance

Modellprojekt: An Neuköllns Schulen wird ein Beschwerde-Management eingerichtet.

Neukölln hat der Diskriminierung an Schulen den Kampf angesagt. Der Verein LIFE hat jetzt in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und dem Bezirksamt Neukölln das neue Modellprojekt Anlaufstelle Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS) vorgestellt.

Gemeinsames Engagement

In den nächsten zwei Jahren soll das Modell als Pilotprojekt in Neukölln aufgebaut werden. Die Gründung einer solchen Stelle steht in den Empfehlungen des Berichts der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: „Wir möchten dies erproben, weil wir davon ausgehen, dass wir noch zu wenig wissen, was das Ausmaß der Probleme angeht“, sagt Projektleiterin Aliyeh Yegane. Parallel dazu wird in Neukölln exemplarisch ein schulinternes Beschwerdemanagement entwickelt und erprobt werden. Yegane unterstreicht die Wichtigkeit dieses Projekts: „Wir wollen gemeinsam mit den Schulen alle Beschwerden bearbeiten und Lösungen finden. Dieses Modell ist bisher einmalig in Deutschland.“ Andere Bundesländer haben bereits Interesse an ADAS angemeldet. Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) glaubt nicht, dass Diskriminierung ein Neukölln-spezifisches Phänomen sei, aber man müsse sich diesem Thema stellen. „Hier geht es auch um Werteverständnis, gegenseitigen Respekt und Toleranz. In unserem Bezirk leben über 160 Nationen und das spiegelt sich natürlich auch in den Schulen wider. Bei so vielen verschiedenen Sprachen und kulturellen Hintergründen läuft natürlich nicht immer alles glatt.“

Anderes Menschenbild

Kern des Projektes ist Toleranz- und Respekterziehung, ein ernsthaftes Aufgreifen der Problematik in den Schulen und der Versuch, damit adäquat umzugehen. „Es muss Ansprechstrukturen für Menschen mit Diskriminierungserfahrungen geben. Außerdem ist es wichtig, dass sowohl die Politik, als auch Lehrerinnen und Lehrer dieses Thema sensibel und aufmerksam beobachten. Häufig kommen Menschen aus vollkommen anderen Kulturkreisen, mit einem komplett anderem Welt- und auch Menschenbild“, sagt die Bürgermeisterin. In vielen Ländern sei die Gleichberechtigung von Mann und Frau durchaus nicht selbstverständlich. Die Frau habe eher eine untergeordnete Rolle: „Das ist nur ein Teilaspekt, aber ein wichtiger“, so Giffey. „Damit hängt zusammen, wie Mädchen und Jungen miteinander umgehen oder das Verständnis für Menschen, die sich zum Beispiel offen zu ihrer Homosexualität bekennen. Auch die unterschiedlichen Glaubensrichtungen spielen natürlich eine große Rolle.“

Text ud Bild: Anne-Lydia Mühle

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