Ausstellung im Hof der Erinnerungen

Ausstellung: Wo einst die Stasi wirkte, wird im Sommer die „Friedlichen Revolution“ präsentiert.n.

Die Mauer ist gerade gefallen und die DDR in der Auflösung begriffen, als im Januar 1990 laute Rufe durch die Normannenstraße in Lichtenberg hallen. „Macht das Tor auf!“ skandieren Demonstranten, 100.000 sind es laut DDR-Fernsehen, die vor der Zentrale jener Stasi stehen, deren Auflösung ihnen nicht schnell genug gehen kann. Als sich die Pforten zu dem jahrzehntelang gesperrten Ort öffnen, stürmen die Menschen das Gebäude. Ihr Ziel: Die Vernichtung der Akten zu verhindern, in denen die Taten der DDR-Geheimpolizei und das Leid ihrer Opfer dokumentiert sind.

Mission erfolgreich

Ohne den beherzten Einsatz der Bürgerrechtler wären viele Dokumente heute auf ewig verloren und manche Geschehnisse vollständig im Dunkeln. Auch deshalb erinnert die Robert-Havemann-Gesellschaft in diesem Jahr an jenen geschichtsträchtigen Januar: Zum Jahrestag ging jüngst eine überarbeitete Website zu dem Thema online und im Sommer folgt eine zweisprachige, multimediale Open-Air-Ausstellung genau dort, wo sich einst das Herz der Stasi befand. Auf der Website wird dabei die Vorgeschichte des Mauerfalls und des Endes der DDR lebhaft nacherzählt. Mit kurzen Texten, Originalbildern und Grafiken zeichnen die Macher die Hintergründe wichtiger Ereignisse nach: Sie berichten, wie kritische Schriftsteller, Schauspieler, oder Musiker in Kirchen, Hinterhöfen und privaten Räumen ein wachsendes Publikum abseits staatlicher Zensurmaßnahmen begeisterten und wie Oppositionelle noch in den späten 1980er Jahren Opfer von Verhaftungswellen wurden.

Etwas vereinfacht

CR_LVS_LI_S_3Weil so eine Geschichte mit Happy End erzählt werden soll, in der mutige Ostdeutsche einen Unrechtsstaat zum Einsturz brachten, wirkt manches vereinfacht: So spielt die Enttäuschung der DDR-Bürger über den weiteren Verlauf der Ereignisse nur am Rande eine Rolle. Ebenso wie die wirtschaftliche Situation der Sowjetunion oder das Wirken von Politikern außerhalb der DDR in der Wendezeit. Und ob es sich bei den Ereignissen von 1989 tatsächlich um die „einzige geglückte deutsche Revolution“ handelte, wie die Organisatoren behaupten, ist angesichts eines gestürzten Kaisers und der neu ausgerufenen Weimarer Republik in den Jahren 1918/19 zumindest fraglich.Andererseits macht gerade diese Zuspitzung das Projekt äußerst lebendig: Statt tiefschürfender Analysen werden Gesichter und Orte der friedlichen Revolution vorgestellt. Oppositionelle wie Bärbel Bohley oder Wolfgang Templin und Berliner Schauplätze wie der Alexanderplatz oder die Zionskirche. In einem neu eingerichteten Blog wird auch die Stasi-Zentrale ausführlich behandelt, an der am 17. Juni die zugehörige Ausstellung eröffnet wird. Auf 1.300 Quadratmetern solle dann ebenfalls beleuchtet werden, „wie vielschichtig dieser Prozess der Selbstbefreiung verlief und wie unterschiedlich die Interessen, Motive und Ziele der beteiligten Akteure waren“, heißt es in einer Ankündigung. Die Schau wird täglich rund um die Uhr kostenfrei zugänglich sein.

Philip Aubreville / Bild:eckedesign / Bild: Stefan Bartylla

 

WEITERSAGEN

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden. Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen