Der Kampf der Lebensmittelretter

Soziales: Bezirksamt sperrt Kühlschränke der Verteilstellen aus hygienischen Gründen.

Lebensmittel weitergeben statt sie wegzuschmeißen, das ist die Idee des bundesweiten Netzwerkes Foodsharing. In Berlin sortieren etwa 2.000 Lebensmittelretter Nahrungsmittel, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist und verteilen sie an zentrale Stellen. So konnten nach Angaben des Vereins bisher 758.006 Kilogramm Lebensmittel vor dem Müll gerettet werden. Jetzt wurden zwei dieser Verteilstellen geschlossen, weil die öffentlichen Kühlschränke (FairTeiler) nicht den hygienischen Vorschriften entsprächen.

Fair teilen

Vor Weihnachten hat Bezirksstadtrat Peter Beckers (SPD) in Friedrichshain-Kreuzberg die Verteilstelle im Tommy-Weissbecker-Haus in der Wilhelmstraße 9 schließen lassen. „Überflüssige Abfälle zu vermeiden, ist zu begrüßen, doch das derzeitige Konzept lässt sich nicht mit dem Lebensmittelrecht vereinbaren“, sagt Beckers. „Ich würde mich freuen, wenn wir eine Lösung finden, die zum Guten führt.“ Kürzlich gab es ein Fachgespräch zwischen den Lebensmittelaufsichten Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow mit den Vertretern der FairTeiler und dem Vorsitzenden des Vereins Foodsharing e. V. Laut dem Pankower Stadtrat Torsten Kühne (CDU) verlief das Gespräch sachlich und konstruktiv. Die Vertreter wurden auf die Risiken und Gefahren, wie Vergiftungen oder Schädlingsbefall, des jetzigen Systems hingewiesen. Die Bezirksvertreter stellten fest, dass die Kühlschränke in der bisherigen Form nicht weiter betrieben werden können.

Die Verschwendung von Lebensmitteln zu vermeiden, liegt auch im Interesse der Stadt. Doch möchten die Vertreter der Lebensmittelaufsicht und der Bezirke, dass wie bei den Tafeln die Einhaltung der lebensmittelhygienischen Grundstandards, inklusive Rückverfolgbarkeit, gewährleistet wird. Die Kühlschränke sollen unter Aufsicht von Kiezläden, Cafés oder anderen Stellen betrieben werden. Dabei werden die abgegebenen Lebensmittel einer sensorischen Prüfung unterzogen. Schon jetzt sind rohes Fleisch, Mett, Mayonnaise oder halbrohe Backwaren nicht zulässig.

Niederschwelliges Angebot

Sina Maatsch von Foodsharing e. V. sieht Nachteile in dem vorgeschlagenen Verfahren. „Bisher sind die Kühlschränke ein sehr niederschwelliges Angebot, da sie rund um die Uhr zugänglich sind und auch eine anonyme Nutzung erlauben. Wenn die Verteilstellen nur noch zu bestimmten Zeiten und unter Aufsicht genutzt werden können, werden weniger Menschen das Angebot nutzen.“ Maatsch betreut den Kühlschrank am M2ach-Mit-Museum in der Senefelder Straße, der nun auch geschlossen wurde. Bis weitere Abstimmungsgespräche und eine schriftliche Vereinbarung getroffen worden sind, bleiben die Kühlschränke vorerst stillgelegt. Maatsch sieht den Grundgedanken des Vereins durch strenge Auflagen gefährdet. „Durch die Auflagen der Lebensmittelaufsicht kann das Foodsharing nicht so weitergehen wie bisher.“ Und dann war der Kampf der Lebensmittelretter umsonst.

Ursula Schoser / Bild: Foodsharing e. V.

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