Ehre für Spandauer Engel

Soziales: Elizabeth Kranz wurde für ihr Engagement ausgezeichne.

Sie haben sich durch herausragende Aktivitäten für das Gemeinwohl im Bezirk verdient gemacht: Deshalb zeichnet Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank „Spandauer Engel“ mit der goldenen Nadel, der höchsten Auszeichnung des Bezirks, aus. Auch Elisabeth Kranz, seit drei Jahrzehnten aktive Streiterin für die Frauenarbeit, unter anderem als Mitbegründerin des Beratungs- und Selbsthilfetreffpunktes „Eulalia Eigensinn e.V.“, durfte eine der Ehrennadeln in Empfang nehmen.

Frauen suchen Rat

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Die stolzen Ehrennadel-Träger versammelten sich im Rathaus Spandau.

„Ich bin nicht der Typ für Ehrungen“, sagt Elisabeth Kranz bescheiden, „aber es ist schön, wenn die Arbeit gewürdigt wird.“ Jahrelang hat sie ehrenamtlich viele Frauen beraten und betreut und sich nebenbei in der Gemeinde engagiert. Zu Eulalia kommen jede Woche rund 1.000 Frauen in die Lutherstraße, suchen Rat bei persönlichen und sozialen Problemen. Zwei feste Mitarbeiterinnen bieten Hilfe und Unterstützung bei häuslicher Gewalt an und kooperieren mit Einrichtungen im Anti-Gewalt-Bereich. Häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch sind große Themen bei „Eulalia Eigensinn“. „Da spielt die Herkunft gar keine Rolle. Zum Teil sind die Frauen um die 50 Jahre alt und sprechen zum ersten Mal über ihre Vergewaltigung als Kind. Viele Frauen suchen noch immer die Schuld bei sich selbst, wenn sie von ihrem Mann geschlagen werden“, sagt Elisabeth Kranz. Wie ist sie 1987 auf die Idee gekommen, den Verein zu gründen? „Mein Mann wurde damals Pfarrer in Spandau und wir zogen in den Bezirk. Zusammen mit meinen Kolleginnen habe ich gemerkt, dass in Spandau Aktionen für Frauen fehlen. Als die Räumlichkeiten frei wurden, haben wir gleich zugeschlagen.“ „Eulalia Eigensinn“ war geboren. Eulalia kommt aus dem griechischen und bedeutet die Redegewandte. „Und Eigensinn wünsche ich mir für alle Frauen“, lacht Elisabeth Kranz.

Noch viel zu tun

Frauen jeglicher Herkunft suchen Unterstützung in der Lutherstraße. Darunter auch viele Muslime, die zum Beispiel die Hilfe einer arabisch sprechenden Hebamme in Anspruch nehmen. „Auch wenn die Situation für Frauen besser geworden ist, gibt es noch eine Menge zu tun“, sagt Elisabeth Kranz. „Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit zum Beispiel.“ Eigentlich ist die rüstige Frau jetzt im Ruhestand. Das hindert sie natürlich nicht daran, für ihre Kolleginnen einzuspringen und eine Gruppe bei Eulalia Eigensinn zu leiten.

Anke Walter / Bild: Nicola Haverland-Hirsch/BA Spandau

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