Das Wunder vom Sozialpalast

Kultur: Ein Berlinale-Film zeigt das Leben und die Wandlung in der Wohnmaschine Pallasseum.

Dort wo früher der legendäre Berliner Sportpalast stand, zieht sich seit 1977 eine städtebauliche Katastrophe quer über die Pallasstraße: Die zwölfgeschossige, seelenlose Wohnmaschine mit den Galeriegängen und den hässlichen Satellitenschüsseln, galt bei seiner Eröffnung noch als Musterbeispiel für modernes Wohnen. Das hat sich im Laufe der Jahre verändert. Aus der richtungsweisenden „Wohnanlage am Kleistpark“ wurde ein Sozialpalast mit vielen Problemen. Inzwischen hat sich das Image der 514 Wohnungen mit ihren rund 2.000 Bewohnern wieder gewandelt. Verfall, Drogendealer und Vandalismus waren gestern. Heute herrscht ein enger Zusammenhalt unter den Mietern und alle gemeinsam haben das Wunder vom Sozialpalast geschafft. Der Regisseur und Autor Manuel Inacker hat mit seinem Team in der Wohnanlage einen bemerkenswerten Film gedreht: Die Dokumentation „Pallasseum – Unsichtbare Stadt“ feiert jetzt auf der 66. Berlinale Premiere. Der Termin steht seit kurzem fest: Erstausstrahlung ist am 13. Februar, 19 Uhr, im CinemaxX am Potsdamer Platz (Kino 3). Der Ticketverkauf beginnt am 8. Februar um 10 Uhr. Tickets können dann online oder jeweils drei Tage im Voraus an den Berlinale-Vorverkaufsstellen erworben werden. Am Tage der Vorstellung sind Tickets nur an den Tageskassen der Kinos und online erhältlich.

Junger Filmemacher

„Ich habe den Wohnkomplex beim Spaziergehen entdeckt und begonnen, die Geschichte zu recherchieren. Meine Fragestellung war, wie die Architektur die Menschen prägt und umgekehrt. Schließlich durften wir in fünf Wohnungen drehen und bekamen einen Eindruck vom Leben in der Anlage“, sagt der junge Filmemacher von der Filmakademie Babelsberg. Die meisten Bewohner haben einen Migrationshintergrund, Deutsche gibt es wenige. Inacker: „Wir erlebten dort einen gesunden Kulturmix, die Menschen haben scheinbar ihre Identität gefunden und halten zusammen. Ich könnte mir gut vorstellen, selbst im Pallasseum zu leben.“ Das bestätigt auch der Quartiersmanager Peter Pulm. „Es gibt mittlerweile Wartelisten für die Wohnungen, teilweise leben hier mehrere Generationen. Die Bewohner verstecken sich nicht mehr, sondern gestalten ihre Umgebung aktiv mit.“

Ende der 1990er-Jahre sollte der Betonklotz abgerissen werden. Heute ist aus dem sozialen Brennpunkt fast ein Vorzeigeobjekt geworden. Was hat den Image-Wandel bewirkt? Unter anderem hatte das Quartiersmanagement Schöneberger Norden vor Jahren seine Arbeit aufgenommen. „Heute gibt es Projekte, um sich kennenzulernen, die Nachbarschaft zu stärken, Verantwortung und einen anderen Umgang mit Menschen und dem Haus zu erreichen“, erklärt Peter Pulm. Die Wohnungsbaugesellschaft hat renoviert, installierte eine Hausmeistertruppe, die schnell zur Stelle ist, wenn Not am Mann ist. Aber vor allem waren es die Bewohner selber, die für den Wandel sorgten: Seit Jahren gibt es zum Beispiel ein Café, betrieben von Ehrenamtlichen. „Die Zeit der Spritzen auf dem Hof und der hohen Kriminalitätsrate ist lange vorbei“, sagt Peter Pulm.

Anke Walter / Bild: Falco Seliger/ Filmuniversität Babelsberg

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