Diskussion fängt erst an

Bauen: Ehemaliges Tanklager Quedlinburger Straße wird städtisches Quartier.

„Das Schöne ist, dass hier ein Quartier von Anfang an gemeinsam gestaltet werden kann.“ Marc Schulte, Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, ist froh darüber. Denn häufig muss er „reagieren, statt zu agieren.“ Und die Anwohner zu informieren, ist Teil dessen. Zur Vorstellung der geplanten Gestaltung des ehemaligen Tanköllagers Quedlinburger Straße sind fast 100 Interessierte in die Aula der Mierendorff-Grundschule gekommen. Gemeinsam mit Vertretern des Bezirksamtes informiert die „Projektgruppe WerkBundStadt Berlin“ über ein erstes Konzept. Mit 32 Architekten aus aller Welt, unter dem Dach des „Deutschen Werkbund“, werde sie das geplante Projekt umsetzen.

Städtisches Quartier

Auf dem etwa 29.000 Quadratmeter großen Grundstück soll ein städtisches Quartier entstehen. Jedem zugänglich und nicht abgeschirmt. Etwa 1.100 Wohnungen in 32 Häusern, beheizt mit Fernwärme, die Fassaden vorwiegend mit Klinker. Autos werden in der Tiefgarage parken, denn Plätze vor den Häusern gibt es keine. Aber Grünanlagen und Spielplätze – sogar in den Höfen. Alle Stockwerke werden mit dem Rollstuhl erreichbar sein. Neben den rund 3.800 Quadratmeter Gewerbeflächen in den Erdgeschossen soll für die voraussichtlich 1.800 Bewohner ein urbanes Lebensgefühl entstehen. Es soll „ein Ganzes werden“, sagt Claudia Kromrei, die Vorsitzende des Berliner Werkbundes, und hofft auf ein „Funktions- und sozial gemischtes Quartier“. Aber das Grundstück ist kein öffentliches Land. Die Stadt hat weniger Einflussmöglichkeiten. Laut Paul Kahlfeldt vom Vorstand des Deutschen Werkbundes, hat die Projektgruppe WerkBundStadt Berlin, „abgestimmt mit der Politik und den Eigentümern, relativ freie Hand.“ Der Deutsche Werkbund versteht sich selbst als eine „wirtschaftskulturelle Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Politikern“.

An diesem Punkt beginnen die Fragen der Zuhörer. Wie viele Eigentumswohnungen werden entstehen? Was ist mit der Verunreinigung des Bodens durch das Tanköllager? Wird es Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr geben? Wie sieht es mit den beiden geplanten Hochhäusern mit jeweils 16 Stockwerken aus? Und wie bezahlbar werden die Wohnungen sein? Paul Kahlfeldt möchte sich beim Mietpreis an das „Berliner Modell“ halten. Nach dem Konzept des Werkbundes wird im „Rahmen der kooperativen Baulandentwicklung ein städtebaulicher Vertrag über den Bau von 30 Prozent mietpreisgebundenen Wohnraum geschlossen“. Bis zu dieser Veranstaltung glaubte Kahlfeldt, dass der sozialverträgliche Mietpreis „hier bei acht Euro liegt.“ Die Anwohner riefen ihm zu, dass es mindestens 1,50 Euro weniger sind.

Echte Beteteiligung

Die häufigste Frage, Bitte und Anmerkung aber betrifft die Mitwirkungsmöglichkeiten der Betroffenen. Laut einem Zuhörer sei auf der Bezirksverordnetenversammlung am 19. November beschlossen worden, dass Anwohner am Planungsprozess beteiligt werden, damit „nicht nur Fragen gestellt werden.“ Für Marc Schulte gibt es unterschiedliche Beteiligungsformen: Beim vorliegenden Fall hält er es für angemessen, dass erst das Konzept erstellt wird. Im September dieses Jahres wird es öffentlich vorgestellt. „Dann fängt die Diskussion erst an.“

Christina Praus

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