Straßenapotheke erfunden

Soziales: Studenten sammeln Medikamente für Obdachlose.

Die Aufgabenstellung war ein Charity-Projekt ins Leben zu rufen, das bedürftigen Menschen in unserer Stadt hilft. Daraus haben fünf Masterstudenten der Hochschule für Wirtschaft und Recht die Straßenapotheke entwickelt. Das Projekt unterstützt eine von der Wohnungsgesellschaft Gebewo geförderte Arztpraxis am Stralauer Platz, die Obdachlose kostenfrei behandelt. Vor allen Dingen im Winter fehlen der Praxis Mittel um alle bedürftigen Patienten zu behandeln. Das häufigste Krankheitssymptom sind um diese Jahreszeit Erkältungen. „Wir sammeln Medikamente und Verbandsmaterial, und stellen sie der Praxis zur Verfügung, damit die Patienten vor Ort behandelt werden können“, sagt die Studentin Amaka Nwajei. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört. In Deutschland gibt es nämlich ein ziemlich strenges Medikamentengesetz. Es verbietet beispielsweise, dass Medikamente, die die Apotheke verlassen haben, weitergegeben werden. Deshalb müssen Spender sie in einer der sieben beteiligten Apotheken erwerben und sie dann direkt in eine der aufgestellten Boxen werfen. So wird gewährleistet, dass die Medikamente noch brauchbar und das Verfallsdatum nicht abgelaufen ist. Das Projekt Straßenapotheke startete im November vergangenen Jahres: „Wir haben dann im Dezember die ersten Boxen aufgestellt“, sagt Amaka Nwajei. Das Uni-Projekt endet eigentlich in zwei Wochen aber die Studenten sind inzwischen so von ihrer Idee begeistert, dass sie auf jeden Fall weitermachen wollen. Amaka Nwajei: „Wir haben beschlossen, einen gemeinnützigen Verein zu gründen.“ Die Vereinsgründung der „Straßenapotheke e.V.“ läuft bereits. Andere Kommilitonen haben ebenfalls ein Projekt ins Leben gerufen, um Obdachlosen zu helfen: Sie haben einen Kalender entworfen. Dieser Kalender heißt Adressless, und die Einnahmen, die sie damit erzielen, kommen der Straßenapotheke zugute. „Wir sind gerade dabei, Firmen anzusprechen, ob sie uns unterstützen möchten“, sagt Amaka Nwajei. Das Projekt hat mit den Apotheken angefangen, jetzt soll das Netzwerk immer weiter ausgebaut werden. „Für uns war es ein tolles Erlebnis, als wir zum ersten Mal in der Praxis auf Schwester Kerstin getroffen sind. Als wir ihr von unserer Idee erzählten, haben ihre Augen geleuchtet. Man hat wirklich gemerkt, dass unsere Hilfe da ankommt, wo sie gebraucht wird“, so Nwajei.

Anne-Lydia Mühle

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