BER-Desaster fordert Tegel heraus

BER – wer kann das noch hören?! Der Super-Flughafen mutiert zum Super-GAU. Eine unendlich traurige Geschichte, an der die Verantwortlichen kostspielig weiter basteln. Immer wieder Probleme mit Entrauchung und Brandschutz. Vor allem dies erzwang die erneute Verschiebung – zum fünften Mal seit 2010. Ganz zu schweigen von den weiterhin offenen Querelen um die Kapazitäten der Start- und Landebahnen, die zu kleine Passagierabfertigung, die Fertigstellung des Regierungsflughafens. „Alles im Griff – bis Ende 2017 wird eröffnet“, gab sich der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am 14. März betont optimistisch. Tatsächlich oder erneute Durchhalteparole? Experten jedenfalls sehen den Termin in den Sternen …

Großes Dilemma

CR_LVS_RE_11_Flueglaerm

Betriebserlaubnis läuft Ende 2017 für Tegel aus

Fakt ist: Wenn vom BER im nächsten Jahr nichts fliegt, wird’s hoch dramatisch für Berlin. Denn bislang ist beschlossene Sache, den als BER-Ersatz dienenden Flughafen Tegel ein halbes Jahr nach Eröffnung des Großflughafens zu schließen. Kein Problem, wäre es bei den Zeitplänen geblieben. Doch mit Blick auf 2017 kommt Tegel in die Bredouille: TXL muss zum 1. Januar 2018 das Licht ausknipsen, sofern bis dahin kein Weiterbetriebs-Zertifikat der europäischen Agentur für Flugsicherung (EASA) vorliegt. Ab 2018 ist dies für alle Flughäfen in der EU zwingende Voraussetzung, den Flugbetrieb fortsetzen zu können. Im Gegensatz zu Alt-Schönefeld besitzt Tegel diese Zertifizierung nicht und könnte also im Notfall nach 2017 gar nicht weiterbetrieben werden. Ein Dilemma, das Flughafengesellschaft und Aufsichtsrat bislang nicht öffentlich diskutieren, doch hoffentlich auf dem Schirm haben. Nach Auskunft Christian Gehlers (SPD), Staatssekretär im Verkehrssenat, würden in den Gremien inzwischen zwar „gewisse Vorarbeiten zur Erlangung des Zertifikats“ geleistet, doch ein offizieller Antrag sei noch nicht gestellt worden. Siegesgewissheit der Flughafen-Betreiber, den Termin 2017 zu halten, oder eher Fahrlässigkeit? Jedenfalls können sie nicht auf Sonder- und Ausnahmegenehmigungen hoffen. Denn ohne EASA-Zertifikat läuft gar nichts: „Ohne Anpassung an die europäischen Vorgaben würde das nationale Luftrecht gegen Europarecht verstoßen“, heißt es im Luftverkehrsgesetz. Da der Zertifizierung umfangreiche Prüfungen vorausgehen, kann dies dauern – ein halbes Jahr und länger.

Neue Probleme

Diese Situation bringt Flughafen-Betreiber und Politik in Zugzwang. Zwar verzeichnet Alt-Schönefeld enorm wachsende Passagierzahlen – allein im Februar ein Plus von mehr als 47 Prozent, kann aber bei einer weiteren BER-Terminverschiebung ohne Tegel das steigende Aufkommen von jährlich mehr als 30 Millionen Passagieren nicht bewältigen. Dies hätte verheerende Folgen für Wirtschaft und Tourismus, für die Reputation Berlins als weltoffene Metropole.

Nicht weiter verwunderlich, dass Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) auf die Berliner Flughafen-Betreiber sauer ist. Er nimmt Flughafenchef Karsten Mühlenfeld beim Wort, die Inbetriebnahme Ende 2017 zu sichern. Zumal an diesem Termin ein Projekt hängt, das Dobrindt ebenso interessiert – der Regierungsflughafen. Derzeit noch in Tegel, soll er an den BER umziehen und fünf Jahre nach dem BER-Start fertig sein. Für eine Übergangszeit wird hier ein neues Gebäude errichtet. Streit ist allerdings auch hier programmiert, denn Schönefeld braucht Startbahn und Flächen für den weiteren Ausbau des viel zu klein konzipierten Pannenflughafens BER.

Jürgen Zweigert / Bilder: imago/stock & people/Schöning / Bild: G. Wicker

WEITERSAGEN