Bioparadies vom Moritzplatz bedroht

Stadtplanung: Grüne fordern Erbbaupacht, um die Prinzessinnengärten zu retten.

Sie sind ein grünes Wunder, ein Paradebeispiel für urbane Stadtplanung: die Prinzessinnengärten am Moritzplatz. Inmitten von Beton und Verkehr, sanierten Altbauten, nackten Brandwänden und Discountläden ist hier, direkt am U-Bahnhof, ein einzigartiges Bioparadies entstanden. Dort, wo 2009 noch eine vermüllte Brache vor sich hin wucherte, werden heute Kartoffeln, Tomaten, Karotten und Bohnen geerntet. In mobilen Pflanzkästen wachsen Kräuter, Salat, Mangold und Chili. Aus alten Blechzubern und Autoreifen ragen Robinien und Scheinakazien.

Alternative Nutzungen

„Wir wollen diesen Ort der Begegnung und des Wachsens unbedingt dauerhaft sichern“, sagt der Bezirksverordnete Julian Schwarze (Grüne). Doch die Zukunft der Prinzessinnengärten ist bedroht. Im Jahr 2018 läuft der jährlich verlängerte Mietvertrag mit der Stadt aus. „Im Rahmen der Transparenten Liegenschaftspolitik des Senats prüfen die Bezirke derzeit alle ihre Grundstücke und Immobilien hinsichtlich ihrer aktuellen und geplanten Nutzung. Die Ergebnisse werden dann an den Portfolioausschuss des Senats übermittelt“, so Schwarze. Es gibt bestimmte Kategorien, in die diese Grundstücke einsortiert werden. Alternative Nutzungen fallen durch das Raster, das vom Land Berlin vorgegeben wird. In diese Kategorie gehören auch die Prinzessinengärten. Die Fraktion der Grünen brachte deshalb einen Antrag in das Bezirksparlament ein, die Möglichkeit einer Erbbaupacht zu prüfen. Diese sei möglich, wenn die gesamte Gemeinde von der aktuellen Nutzung profitiere. „Unsere Fraktion sieht dies in diesem Fall als definitiv gegeben an“, sagt Schwarze. „Die endgültige Entscheidung über die Eingruppierung der Prinzessinnengärten liegt allerdings beim Abgeordnetenhaus, falls im Portfolioausschuss kein Konsens erreicht werden kann.“ Die Prinzessinnengärten bereichern den Kiez und den gesamten Bezirk durch zahlreiche Projekte im Bereich Umweltbildung für Kinder und Erwachsene. Schulgärten und andere Gartenprojekte aus ganz Deutschland finden bei dem Pilotprojekt fachkundige Beratung. Nicht zuletzt bietet das Urban-Gardening-Projekt mit seiner Grünfläche und dem Gartencafé Anwohnern und Besuchern eine große Frei- und Erholungsfläche in einem ansonsten sehr dichtbesiedelten Gebiet.

Gute Chancen

Für einen Erbbaupachtvertrag mit den aktuellen Nutzern müsse das Bezirksamt das Grundstück in der Prinzenstraße 35-38 entsprechend einstufen. „Wir sehen gute Chancen für unseren Antrag, denn die Prinzessinnengärten wurden schon einmal gerettet“, so Schwarze.

Im Jahr 2012 war das Gelände, das sich zu diesem Zeitpunkt im Besitz des Liegenschaftsfonds befand, akut von einem Verkauf bedroht gewesen. Damals gelang eine Zurückübertragung des Grundstücks. Das Bezirksparlament hat das Papier dieser Tage an den Umweltausschuss überwiesen.

Anne-Lydia Mühle / Bild: Archiv/Anne Langert

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