Versäumte Integration befeuert soziale Not

Problemkieze: Von berlinweit 43 befinden sich sieben im Bezirk Reinickendorf.

Ein dunkles Rot signalisiert Probleme: Auf dem jüngsten Sozialatlas des Senats sind es vor allem Gebiete im nord-westlichen Berlin, die dieses Rot zeigen. Problemkieze u.a. in Spandau, Wedding, Reinickendorf, Hellersdorf, in denen Menschen vieler Nationalitäten in riesigen Hochhaussiedlungen leben. Hier ist die Kinderarmut groß – mehr als die Hälfte der unter 15-Jährigen lebt in armen Familien; jeder vierte Einwohner bezieht trotz Arbeit zusätzliche Sozialleistungen; die Arbeitslosenquote hier liegt weit über dem Berliner Durchschnitt. Probleme in diesen Vierteln wurzeln größtenteils auch in versäumter Integration, in mangelnder Bildung und Ausbildung.

Drei mehr

Berlinweit sind 43 Gebiete sozial besonders stark gefährdet; in ihnen soll mit speziellen Maßnahmen und Programmen ein weiteres Abrutschen verhindert werden. Sieben davon liegen in Reinickendorf – drei mehr gegenüber der letzten Sozialstudie. Diese sah in der Klixstraße, Treuenbrietzer Straße, dem Märkischen Zentrum und der Rollbergsiedlung Quartiere mit „besonderem Aufmerksamkeitsbedarf“. Das sind sie noch, doch aktuell sind jetzt der Hausotterplatz, die Teichstraße und der Dannenwalder Weg hinzugekommen. Zwar hat sich im Märkischen Viertel vieles positiv verändert, die GESOBAU modernisierte das Gros ihrer Häuser – Problemkiez bleibt es dennoch und wird nun in weiteren seiner Quartiere mit vielfältigen Maßnahmen sozial stabilisiert und aufgewertet.

Sozialstadtrat Uwe Brockhausen (SPD) sieht in der Sozialstudie ein verlässliches Frühwarnsystem, das auf sozial besonders stark benachteiligte Gebiete aufmerksam macht. Zuständig für Finanzierung und Förderung sei der Senat, der auf Grundlage des Monitorings über entsprechende Maßnahmen entscheide. „Wir haben lange dafür gekämpft, dass mit dem Quartiersmanagement in der Auguste-Victoria-Allee ein zweites dazu kommt“, sagt er. Diese Einrichtungen bringen viele örtliche Partner mit dem Ziel zusammen, Leben und Arbeiten im Quartier zu stabilisieren. Dazu gehört auch der Blick auf eine soziale Mischung, die beispielsweise Besserverdienende ins Problem-Viertel lockt, ohne dass durch dann steigende Mieten die ärmeren Alteingesessenen verdrängt werden.

Verdrängung spürbar

Ein schwieriges Unterfangen – allerdings ist Reinickendorf mit einem durchschnittlichen Mietpreis von 7,50 Euro pro Quadratmeter noch vergleichsweise günstig; im Berliner Durchschnitt liegt er bei 8,80 Euro. Verbessert hat sich die Lage vor allem in den innerstädtischen Bereichen Berlins – auch, weil sich hier Besserverdienende zu höheren Mieten ansiedelten und Altmieter verdrängten. „Natürlich führt die Mietpreisentwicklung in Berlin zu Verdrängungseffekten mit der Folge, dass sozial Benachteiligte in für sie noch bezahlbare Wohnlagen ausweichen müssen. Das spüren wir auch in Reinickendorf“, sagt Uwe Brockhausen. Da diese Entwicklung von Angebot und Nachfrage bestimmt werde, seien Neubau und Erhalt von bezahlbaren Wohnungen sowie wirksame Instrumente des Milieuschutzes unverzichtbar. „Da muss auf allen Ebenen mit höchster Priorität gehandelt werden, um die Herausforderungen an eine wachsende Stadt zu meistern. Es geht um eine sozial gerechte Stadtentwicklung, um gemischte Wohngebiete, um eine vernünftige Integration“, fordert Brockhausen.

Jürgen Zweigert / Bild:imago/Jürgen Ritter

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